– Das Leben, von unten gesehen –

Dimitri Verhulst

Liliya Dimowa: Unter dem Faschismus die ersten Krabbelversuche gemacht, unter dem Kommunismus laufen gelernt und unter einer unfähigen demokratisch gewählten Regierung das stilvolle Hinken. War das als Zusammenfassung ihres Lebens genug? Für ihren Geschmack schon.

Das Leben, von unten gesehen

Was für ein hammermäßig gelungenes Buch! Es ist durch und durch grandios!

Dimitri Verhulst hat hier einen mega Coup hingelegt.

Die Geschichte handelt von der Witwe Liliya, die in Sofia (Bulgarien) lebt, Literatur liebt und in ihrem Mann die große Liebe gefunden hat.

Sie führen ein buntes, lasterhaftes Leben welches Liliya auch nach dem Tod ihres Mannes Anton so weiterlebt. Sie ist Muse in der Kunst, vielfache Geliebte und zelebriert ihren Hass auf einen Möchtegern-Schriftsteller/ Nobelpreisträger, indem sie sich mit seinen Werken anstatt mit Toilettenpapier den Hintern abwischt. 

Der Autor beschreibt hier auch ein Stück Geschichte indem er schonungslos und mit bissigem Humor dem Kommunismus in solch unverwechselbarer Weise eine vor den Latz knallt. Toll!

Insbesondere wenn man selbst oder die eigene Familie zu solchen Zeiten gelebt hat, kann man wirklich darüber staunen und schmunzeln, wie genial er dem damaligen Regime die Maske herunterreisst und es bloßstellt.

Unbedingt lesen! Kurz und knackig – einfach klasse!

– Eine Liebe in Neapel –

Heddi Goodrich

ABGEBROCHEN

Am Anfang war ich total motiviert und wollte es unbedingt lesen. Der Klappentext ließ mich aufhorchen und ich habe mich wirklich angesprochen gefühlt.

Umso enttäuschter bin ich jetzt, da ich einfach überhaupt keine Lust mehr habe weiterzulesen. Die Geschichte ödet mich richtig an. Es wird beschrieben, erzählt, gesagt, diskutiert und und und…aber es passiert eigentlich nichts.

Diese angeblich großartige Liebesgeschichte wird durch die Ich-Erzählerin Heddi erzählt und immer mal wieder gibt es zwischendrin dann den aktuellen E-Mail-Verkehr zwischen ihr und Pietro aus der Gegenwart. Man liest also heraus, dass es einen Bruch zwischen beiden gab.

Allerdings verlässt mich leider das Interesse an den genauen Umständen auf Grund der vielen Beschreibungen der Wohnungen, des Vesuvs, des spanischen Viertels, Neapels und was weiß ich noch alles…

…okay – ich bin ein wenig zynisch, aber ich habe nichts gegen eine gut erzählte Liebesgeschichte.

Diese finde ich hier persönlich nicht. 

Ich habe das Lesezeichen im Buch gelassen. Bis Seite 310 von 540 habe ich es geschafft. Vielleicht finde ich noch einmal die Motivation es zu Ende zu bringen. Ich glaube aber eher nicht.

– Ein Walzer für mich –

Zelda Fitzgerald

In den Roaring Twenties galt Zelda Fitzgerald als Inbegriff der modernen Frau. An der Seite des gefeierten Autors F. Scott Fitzgerald war sie bei jeder Party dabei – eine Schönheit mit Bubikopf und Charleston-Kleid.

Diogenes, Klappentext

Ein Walzer für mich von Zelda Fitzgerald wurde als No. 15 in unserer Diogenes Backlistlesen – Gruppe gewählt.

Das Buch ist in vier Teile unterteilt. Der Einstieg fiel mir persönlich nicht so schwer und ich kam auch gut mit was die Charaktere betraf, allerdings fand ich den ersten Teil am schlechtesten. Man muss schon ein wenig durchhalten. Es war alles recht exzessiv und ein richtiges Hin und Her. Stellenweise konnte es einem die Lust am Weiterlesen verderben. Hier stimme ich mit einem der anderen Leser überein, dass das manch andere wohl an dieser Stelle zum Abbrechen bewegen würde. Ich habe selbst ebenfalls kurzzeitig daran gedacht es aufzugeben.

Ab dem zweiten Teil ging es dann aber bergauf für mich. Die Geschichte war nicht mehr ganz so konfus. Die Hektik, die mich zu Anfang wirklich abschreckte, ist dann den leidenschaftlichen Beschreibungen der Autorin gewichen.

Zelda schreibt wortgewaltig und mit sehr vielen Adjektiven. Sie erzählt ihre Autobiografie in starken Metaphern und zeigt in ihrer Geschichte einen beachtlichen Willen sich aus dem Schattendasein als Ehefrau und Mutter zu befreien. Auch wenn sie das typische „flapper girl“ war, fand ich ihren Mut sich gegen gesellschaftliche Konventionen aufzulehnen enorm.

Ihre Erzählweise war so detailverliebt und pittoresk, dass ich alles leicht vor meinem inneren Auge sehen konnte. Manchmal schien es mir aber, als würde sich Fitzgerald in den Ausschweifungen verlieren und ich habe mich gefragt, was sie dem Leser eigentlich vermitteln möchte.

Nichtsdestotrotz hatte ich nicht den Eindruck meine Zeit verschwendet zu haben. Inhaltlich wird es noch interessanter, wenn man sich ein wenig mit dem Leben der Autorin auseinandersetzt.

Fazit: Etwas Geduld aufbringen und sich an den turbulenten Begebenheiten im Leben der Zelda Fitzgerald erfreuen.

– In My Father’s Den –

– Als das Meer verschwand –

Maurice Gee

In my father’s den ist eine Wucht!

Nach fast 20 Jahren kommt der Kriegsberichterstatter Paul anlässlich der Beerdigung seines Vaters zurück nach Neuseeland zurück.

Er verließ seine Heimat, nachdem sich die Mutter das Leben nahm und trifft seinen Bruder, der inzwischen verheiratet ist und mit seiner Frau Penny einen Sohn hat. Nach der Beerdigung entscheidet er sich zu bleiben und seinem Bruder Andrew mit der Auflösung des Hauses zu helfen.

Beim Durchsuchen der Sachen des Vaters, findet er in einem Atlas das Foto eines Babys, auf dessen Rückseite Celia vermerkt ist. Kurze Zeit später lernt er die 17jährige Celia kennen, deren Mutter Pauls alte Jugendliebe Jackie (Jax) ist.

Paul und Celia schließen Freundschaft, sprechen über das Schreiben und Literatur…

Ab hier möchte ich nichts mehr verraten und kann nur jedem ans Herz legen dieses Buch zu lesen. Leider gibt es hier nur eine englische Ausgabe, erschienen beim Penguin Verlag.

Wer sich das nicht antun möchte/ kann – es gibt eine wahnsinnig gute Verfilmung zu dem Buch mit dem Titel „Als das Meer verschwand“. Großartig gespielt und preisgekrönt. Einer der besten Filme, die ich je gesehen habe!

– Kinderbetreuung in Zeiten des Corona –

Papp Bilderbücher – Ravensburger Kinderbücher

Kinderbetreuung in Zeiten des Corona

Wir sind jetzt schon seit fast 14 Tagen zu Hause, nachdem die Kindergärten geschlossen wurden.

Die Twins halten sich den Umständen entsprechend gut, aber es ist schon eine Herausforderung wieder 24/7 zusammen zu sein.

Meine beiden Mädchen gehen sehr gerne in den Kindergarten und haben schon oft gefragt, wann sie wieder gehen können.

Nichtsdestotrotz versuchen wir das Beste daraus zu machen. Wir lesen viel, puzzlen, malen und basteln. 

Als ich heute ein paar Besorgungen machen musste, bin ich über diese kleinen süßen Bücher aus dem Hause Ravensburger gestolpert.

Nicht nur Teddy hat seine Freude damit! 

  • Ab 18 Monaten
  • Geprüfte Sicherheit
  • Abgerundete Ecken
  • Altersgerechte Themen
  • Illustration: Katja Senner, Text: Sandra Grimm

– Die Kleine Bijou –

Patrick Modiano

Patrick Modiano hat hier wieder einmal einen sehr melancholischen und ruhigen Roman über das Leben im alten, bereits vergangenen Paris geschrieben.

Die Kleine Bijou ist auf der Suche nach ihrer Mutter, sich selbst und nach Liebe. Eine Geschichte die im Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt wird.

Wunderbar lyrische Sprache, auch wenn es meiner Meinung nach nicht sein bester Roman ist.

(Übersetzt aus dem französischen von Peter Handke/ Literaturnobelpreisträger 2019)

– Vom Ende der Einsamkeit –

Benedict Wells

Bevor ich im Blogbeitrag über die Lesung von Benedict Wells vom 10.03.2020 im Regensburger Stadttheater berichte, dachte ich mir ich poste erstmal die Rezension, die ich vor 2 Jahren geschrieben habe, nachdem ich „Vom Ende der Einsamkeit“ gelesen habe. 

Damals gab es den Blog noch nicht, aber das Buch hat mich so begeistert, dass ich auf Facebook folgenden Text veröffentlicht habe:

Wir sprechen hier von einer wunderbar sentimentalen Geschichte von Freundschaft und Liebe, Tod und Leben…

Von der ersten Seite an kann man eintauchen in die Welt der Protagonisten und erlebt mit ihnen Etappen ihres Lebens.
Ohne Kitsch und Schmalz wird hier das Leben zweier Menschen erzählt, die immer auch ihr eigenes Päckchen zu tragen haben.

Ich war begeistert von der Sprache und dem Tiefsinn. Immer wieder beleuchtet man sein eigenes Leben, den Sinn darin und denkt über das Gelesene nach.

Ich habe das Buch auf 3 Tage gelesen. Mit Zwillingen hat man recht wenig Zeit dazu, aber ich habe jede freie Minute genutzt und hatte es immer dabei um weiterzulesen.

Hier zwei Zitate, die für mich besonders herausstechen.
Wenn ich schreiben könnte, hätte ich es nicht besser ausdrücken können:

„Ich hob unsere Tochter aus dem Bett. Noch immer ein überwältigendes Gefühl, eines der Babys im Arm zu halten. Als leuchtete der hellste Teil von mir nicht mehr in mir selbst, sondern in ihnen.“ (mein absoluter Favorit…er spricht mir direkt aus der Seele ❤ )

“Wir sind von Geburt an auf der Titanic. Wir gehen unter, wir werden das hier nicht überleben, das ist bereits entschieden. Nichts kann das ändern. Aber wir können wählen, ob wir schreiend und panisch umherlaufen, oder ob wir wie die Musiker sind, die tapfer und in Würde weiterspielen, obwohl das Schiff versinkt.”

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