– Geiseln –

Nina Bouraoui

“Ich bin nie zusammengebrochen, niemals, auch nicht, als mein Mann vor einem Jahr gegangen ist. Ich habe standgehalten. Ich bin stark, Frauen sind stark, stärker als Männer, sie verinnerlichen das Leid. Für uns ist Leiden normal. Es ist Teil unserer Geschichte, unserer Geschichte als Frauen. Und es wird noch lange so sein. Ich sage nicht, es ist gut so, aber ich sage auch nicht, es ist schlecht. Es ist sogar von Vorteil: Wir haben keine Zeit, lange zu jammern. Und wenn wir keine Zeit haben, gehen wir zum Nächsten über. Erledigt. So stören wir niemanden.”

Sylvie Meyer hat lange Zeit niemanden gestört. Die Trennung von ihrem Ehemann hat sie wortlos hingenommen. Als er sie verließ hat sie weder geweint, noch sonst etwas an sich herangelassen. Er sagte, er geht und sie hat Frühstück für ihre Söhne gemacht. Zurück zur Tagesordnung.

Sie steht voll im Berufsleben, fühlt sich in ihrer Abteilung wohl, mag ihre Mitarbeiter:innen, die sie “Bienen” nennt und zu denen sie einst selbst gehörte, bevor sie aufgestiegen ist. Doch nun verlangt ihr Chef Victor Andrieu, sie möge sie bespitzeln, überwachen, den Druck erhöhen. Es sollen Listen erstellt werden, welche der Bienen produktiv ist, abliefert und dem Unternehmen loyal gegenüber steht. Auch soll sie festhalten wer nichts taugt, unflexibel und ineffizient ist.

Zu Beginn leistet sie Folge doch langsam regt sich Widerstand in ihr. Das Fass ist voll und am überlaufen. Es wird nicht noch ein Mann seine Macht ausnutzen, ihre Moralvorstellungen und ihr reines Gewissen beschmutzen. Sie will diesen Kreislauf der Gewalt durchbrechen. Diese Gewalt, die immer in der Nähe war, die im Verborgenen gewartet hat, diese Gewalt an deren Existenz sie sich lange nicht erinnern wollte. Doch nun ist damit Schluss. Sie wird ihm zeigen was Angst ist.

Was für ein unglaublich gutes Buch! Die Worte, die Sätze sind in mich hineingeflossen, haben meinen Verstand geflutet. Wie viele Männer kann eine Frau in ihrem Leben ertragen, angefangen mit Vätern, Brüdern bis hin zu Partnern. Das Leben der Ich-Erzählerin scheitert an der Unfähigkeit über Gefühle zu sprechen, aber woher hätte sie dies lernen können?! Die eigenen Eltern haben nie miteinander geredet. Man hat sich arrangiert. Scheidung kam damals nie in Frage. Und so lebt die Protagonistin ohne sich zu beschweren, ohne zu jammern, sie macht weiter, erträgt die Ungerechtigkeiten der Gesellschaft, erfüllt die ihr zugeschriebene Rolle als Mutter, als Ehefrau und als Angestellte – bis sie irgendwann genug hat.

Nina Bourapoui beobachtet genau, lässt die Ich-Erzählerin langsam entfalten, wie es zu all dem kommen konnte. Wie sie zu einer emotionally unavailable person wurde, da sie doch so ein reiches Innenleben hat. Eindringliche Gedanken, kurze prägnante Sätze, die dennoch ausdrucksvoll das Wesentliche einfangen.

Eine schonungslose Charakterstudie. Ein intensives, fantastisches Buch!

– Ein Mann sein –

Nicole Krauss

In -Ein Mann sein- schreibt Nicole Krauss über Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Töchter und Väter. Dabei geht es nur unterschwellig darum, wie es wäre ein Mann zu sein, sondern vielmehr um die Schicksale, Ereignisse und Wahrnehmungen mit denen wir uns alle herumschlagen.

In intelligenten, schlichten Sätzen wird über Beziehungsgeflechte und dem komplizierten Miteinander erzählt.

Teilweise kommt es gar zu surrealen Begegnungen wie die einer Tochter, die die Wohnung ihres verstorbenen Vaters bezieht und dort in des Vaters altem Freund Boaz einen unfreiwilligen Mitbewohner erhält. Nistet dieser sich nur ein oder hat ihr Vater ein letztes Mal für sie gesorgt?

“Ich war nicht vorbereitet auf seinen Tod. Er hatte mich nicht vorbereitet. Meine Mutter war gestorben, als ich drei war. Wir hatten schon mit dem Tod zu tun gehabt und auf unsere Art vereinbart, damit fertig zu sein. Dann hat mein Vater unsere Vereinbarung ohne Vorwarnung gebrochen.”

In -Gebrochene Rippen- geht es um eine jüdische Frau und ihren deutschen Liebhaber, der der festen Überzeugung ist, dass er ein Nazi gewesen wäre, wäre er zu damaliger Zeit geboren.

“In Wahrheit, stimmt sie zu, sei ihr ganzes Gespräch ein Ding der Unmöglichkeit, denn wer auch immer er jetzt war, würde nicht derselbe sein, der er damals gewesen wäre, von verschiedenen Einflüssen seiner Zeit geprägt, und wer auch immer er damals gewesen wäre, der existierte nicht.”

Ich hoffe dieses Buch findet noch viele Leser:innen. Ganz fabelhaft zum Lesen und Nachsinnen.

Übersetzung: Grete Odterwald

Erschienen bei: Rowohlt

– Ein simpler Eingriff –

Yael Inokai

Auf der Station von Krankenschwester Meret werden neue und experimentive neurologische Eingriffe angewandt, um fast ausschließlich Frauen von ihren psychischen “Störungen” wie Wut zu befreien. Merets Aufgabe hierbei ist es, die Patientinnen zu betreuen. Der behandelnde Arzt ruft sie ab und zu in sein Büro um sich mit ihr zu unterhalten. Er sorgt auch dafür, dass sie sich voll und ganz auf die jeweils zu behandelnde Frau konzentrieren kann, indem er die Dienstpläne dementsprechend anpasst. Das die Eingriffe gegen die behandlungsbedürftigen Erkrankungen scheinbar nur ein Mittel sind um der unangepassten Frauen Herr zu werden, scheint Meret hierbei völlig auszublenden.

Sie hält an den starren Regeln und Strukturen im Krankenhaus fest und redet sich ein, dass den Frauen lediglich geholfen wird. Einem Arzt könne sie als Krankenschwester sowieso nichts entgegensetzen, da er es ja besser wissen muss. Außerdem fühlt sie sich geschmeichelt, dass der Arzt sie für diese wichtige Arbeit mit der neuen Methode ausgewählt hat.

Oft denkt sie an ihre unangepasste jüngere Schwester Bibi, die auch immer wieder mit ihrem Umfeld aneckt. Die Kindheit der beiden und ihres Bruders Wilm war durch Gewalt und gnadenloser Strenge des Vaters geprägt. Während Meret und Wilm sich angewöhnt haben, nichts zu hinterfragen und sich unterzuordnen, hat Bibi dies nie geschafft und bereist seitdem die Welt.

Als sie eine neue Zimmernachbarin erhält und sich schon bald in sie verliebt, verändert sich einiges. Meret beginnt durch die Gespräche mit Sarah die Arbeit aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Erstmals stellt sie die misogynen Praktiken an den vermeintlich kranken Frauen in Frage. Auch ihre Liebe und Beziehung zu Sarah würde als Abweichung der Norm gelten. Würde man sie beide auch versuchen zu “heilen”?

Schließlich schlägt die Behandlung ihrer Patientin Marianne fehl. Anstatt einer Besserung und Erlösung von der Wut und der Erkrankung, verblasst etwas in Mariannes Augen. Nach der Operation ist sie nie wieder dieselbe. Etwas von ihr ist für immer fort.

Endlich erkennt Meret, dass es hier nicht um Hilfe für diese Frauen geht, sondern vielmehr darum, dass sich deren gut betuchte Familien ihrer Probleme mit den Töchtern oder Ehefrauen entledigen möchten.

Yael Inokai hat hier ein subtiles Kammerspiel um Machtgefüge und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen geschrieben. Vieles wird nicht laut ausgesprochen und ist doch sehr leicht zwischen den Zeilen herauszulesen. Die Autorin hat sich stark auf wenige Figuren konzentriert, was die Aussage des Buches umso gewichtiger erscheinen lässt, während schwer abzuschätzen ist zu welcher Zeit und an welchem Ort sich die Geschehnisse abspielen.

Ein brillantes Buch über weibliche Selbstbestimmung, Machtgefälle und gesellschaftliche Erwartungen wie eine Frau zu funktionieren hat.

Absolute Leseempfehlung.

– Anleitung ein anderer zu werden –

Édouard Louis

Mit -Anleitung ein anderer zu werden- hat Edouard Louis den schonungslosen Seelenstriptease perfektioniert und bringt die Geschichte um -Das Ende von Eddy- zum Abschluss.

Nicht nur Bildung rettet Edouard aus dem dörflichen, rechtslastigen Milieu, sondern auch das starke Gefühl der Rache, dass ihn zu Bestleistungen anpeitscht und immer wieder weitermachen lässt. Während er im heimatlichen Dorf nur als verarmter Schwuler gilt, der mit einer viel zu hohen Stimme spricht und seinen Vater mit seiner “Unmännlichkeit” ein ums andere Mal enttäuscht, keimt in ihm der Wunsch auf, sich selbst neu zu erfinden.

Auf dem Gymnasium findet er in Mitschülerin Elena und deren wohlhabender Familie erste Rollenvorbilder. Hier wird ihm zum ersten Mal klar, wie groß die Unterschiede zwischen seiner Familie und der ihren ist. Seine Mutter hat ihm nie vorgelesen oder Tischmanieren beigebracht, statt Theater und Gespräch gab es bei ihm zu Hause nur den Fernseher. Allmählich wird Edouard klar, dass seine Lebensrealität nicht die der anderen ist.

Er versucht sich alles anzueignen, was ihm bisher fremd war. Er lernt wie man isst, wie man spricht, wie es ist anregende Gespräche zu führen. Auch sein Äußeres optimiert er immer wieder durch Frisur und Kleidung. Je mehr er zu einem anderen wird, desto weniger bleibt er “Eddy” und entfernt sich so weit wie möglich von der ihm verhassten primitiven Beschränktheit des Dorfes.

Durch Zufall wird die Lesung und ein anschließendes Treffen mit Didier Eribon zu seiner Autobiografie -Rückkehr nach Reims- zu einem schicksalhaften Markstein in Edouards bisherigen Leben. Er beschließt nicht mehr der Edouard sein zu wollen, der er durch Elena in Amiens wurde, sondern nun will er besser sein. Mit diesem Ehrgeiz und mit Didier als Mentor, den er verehrt, zu dem er aufblickt und mit dem ihn langsam eine Art Freundschaft verbindet, gelingt ihm die Aufnahme an die renommierte École normale supérieure. Er entwickelt sich in Paris weiter, bekennt sich zu seiner Sexualität und lebt diese nun bewusst aus, schreibt und lebt…und versucht eine immer bessere Version seiner selbst zu werden.

Nach diesem Roman ist eines klar – Edouard Louis hat meiner Meinung nach noch viel vor sich. Seine ergreifenden, schmerzhaften Schilderungen der Selbstzweifel, der Scham und der vielen Komplexe lassen uns tief hineinblicken in seine Abgründe und das schwierige Verhältnis zu seiner Familie.

Doch gab es auch Momente ihn denen ich mir dachte: “Oh nein Mann, jetzt bist du aber schon etwas sehr milde mit dir.”

Vor allem in Bezug auf Elena und ihre Familie werden im gegenüber Vorwürfe laut er hätte von dem Umgang profitiert und man muss sagen, dass die eingeschobene Entschuldigung an die damals so enge Freundin schon eher lasch ist. Er -hat- viel profitiert, er hatte viele Gönner, viele Helfer bei seiner Verwandlung. Diese hat er auf dem Weg „nach oben“ zurückgelassen und die Irritation oder Ärger darüber ist durchaus berechtigt oder zumindest verständlich.

Wo zuerst das provinzielle Dorf das Objekt seiner Abscheu und seines Ekels war, folgte ab dem Punkt an dem er „mehr wollte“ nun Amiens. Dies ist natürlich legitim, aber kurzzeitig erscheint es beim Lesen, als würde er Amiens und das Dorf auf eine Stufe stellen.

Das hat mich persönlich etwas verärgert, denn er hat mit Elenas Familie gelebt, wurde aufgenommen und hat Unterstützung erfahren und sie haben nichts dafür erwartet. Indem er im Verlauf erzählt, er wollte nur weg, was das Dorf für ihn war, war jetzt Amiens. Niemand hat Dank erwartet, aber für mich war er dennoch undankbar.

Einen ganz klugen Gedankengang konnte ich in der Rezension von @booksaregayasfuck zum Thema Rassismus und Homophobie lesen, der mir auch sauer aufgestoßen ist. Nämlich – beides ist in allen Gesellschaftsschichten zu finden und nicht nur in einem hinterwäldlerischen Dorf.

Für mich ist -Anleitung ein anderer zu werden- bisher das beste Buch des Autors, doch ist er ganz klar noch nicht über seine Probleme hinweg, ganz gleich wieviel er an sich oder seinem Benehmen verändert.

Das Schreiben darüber lässt ihn hoffentlich eines Tages erkennen, dass ihm nichts übrig bleibt als seine Herkunft zu akzeptieren, das Beste daraus zu machen ohne auf das Dorf einzustiefeln und dass sein Vater auch nur ein Opfer seiner Umstände, Herkunft und des Systems ist.

Übersetzung: Sonja Finck

Erschienen bei: Aufbau Verlage

– Meine bessere Schwester –

Rebecca Wait

-Meine bessere Schwester- von Rebecca Wait lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. 

Die Leseprobe bei @vorablesen klang vielversprechend, woraufhin ich in den Topf gehüpft bin. Umso glücklicher war ich, als ich tatsächlich gelost wurde.

Alice und Hanna sind Zwillingsschwestern und doch in vielen Dingen völlig unterschiedlich. Der Roman startet mit einer Beerdigung. Alice ordnet sich immer unter – insbesondere bei ihrer dominanten Mutter Celia, während Zwillingsschwester Hanna eher eine Draufgängerin ist, die sich vom Leben treiben lässt, wenn auch immer mal wieder mit einigen Schwierigkeiten.

In -Meine bessere Schwester- geht es um die angespannten Familienverhältnisse dieser Dreierkonstellation an Frauen. Normalerweise eine wirklich gute Ausgangsposition für ein gutes Buch, jedoch hatte ich stark Mühe Sympathie für eine der Figuren zu entwickeln und es fiel mir an so mancher Stelle schwer dranzubleiben.

Während ich Mama Celia als so richtig toxisch und unausstehlich empfunden habe, wollte ich der teils im Wesen passiven Alice ein “Nun mach schon” zurufen. Selbstzweifel durch und durch.

Durch regelmäßige Zeitsprünge wird der Lesefluss oft unterbrochen, was mir beim Lesen ein wenig auf die Nerven ging.

Leider muss ich sagen, dass ich mir nach der Leseprobe ein wenig mehr von diesem Roman versprochen habe. Viel Potential mit dem Thema der schwierigen Familienverhältnisse und psychischer Erkrankungen, doch leider schwächer als ich erwartet hatte. Kein überragendes – aber auch kein schlechtes Buch. Irgendetwas dazwischen.

– Nachmittage –

Ferdinand von Schirach

“Die Tage damals vergingen ohne Widerstand, nichts fiel mir schwer, und nichts zählte. Ich glaubte, ich sei davongekommen und der dunkelgrüne Park und das Internat und meine Familie lägen hinter mir und seien nicht mehr die Wahrheit. Es schien nun etwas anderes möglich zu werden. Dieses neue Leben gehörte mir: die leuchtenden Morgen des Frühsommers, Kaffee mit ihr unter der Kastanie, die Farbe der Nachmittage ohne Vergangenheit. Nur stimmte es nicht, wir müssen immer bezahlen. Jede unserer Handlungen beruht auf längst schon getroffenen Entscheidungen, wir entkommen uns nicht, ganz gleich, was wir tun.”

Ferdinand von Schirachs neuesten Erzählband -Nachmittage- würde ich als “Deutsches Saudade” bezeichnen.

In sechsundzwanzig Stories nimmt er uns mit auf eine Reise nostalgischer Wehmut. Es sind Begegnungen nach Lesungen, in Bars und Reisen an viele Orte der ganzen Welt, die ihn als Erzähler mit alten Freunden oder völlig Fremden zusammenführt.

Lustigerweise hatte ich öfter Bill Murray in -Lost in Translation- vor Augen und ein Kapitel weiter bezog sich von Schirach tatsächlich auf diesen Film. Hier musste ich kurz auflachen. Chapeau!

Ein inspirierendes Buch, welches von der Vergänglichkeit des Lebens erzählt und wie oft sich ein Blick hinter die Kulissen lohnt.

Süße Melancholie garantiert!

– Junischnee –

Ljuba Arnautović

Junischnee von Ljuba Arnautović ist eines dieser “unangenehm schönen” Bücher, deren Inhalt immer wieder zwickt, ja gar wehtut. Manchmal sind diese Wunden aber nötig um über das scheinbar Unaussprechliche zu reden.

Als die Wienerin Eva ihre beiden Söhne Slavko und Karl 1934 fortschickt, um sie vor den Nationalsozialisten zu schützen, ahnt sie noch nicht welche Folgen diese Entscheidung haben wird.

Anfangs wurden die Brüder vom Kinderschutzbund aus zu Ferien auf die Krim geschickt und später in ein luxuriöses Heim. Doch als der Nichtangriffspakt von Hitler gebrochen wird, steckt man Slavko in eine Fabrik und Karl in ein Kinderheim. Als sogenannte Volksfeinde werden sie unter der politischen Willkür der Sowjets in Arbeitslager gesteckt. Von Slavko fehlt irgendwann jede Spur.

Karl hingegen macht “Karriere” und sich während seiner Zeit in Arbeitslager und Gulag einen Namen als Viktor bei den wory w zakone. (Diebe im Gesetz) Seine zukünftige Frau Nina lernt er in besagtem Gulag kennen und sehnt seine Entlassung herbei.

Die Ehe läuft anfangs gut, doch mit dem Besuch bei der Wiener Schwiegermutter Eva, fühlt sich Nina schnell verloren und das Heimweh droht sie in den Abgrund zu ziehen. Karl möchte hiervon wenig wissen und Nina muss erkennen, dass ihr Mann in den vielen Jahren im Lager scheinbar einiges seiner Menschlichkeit eingebüßt hat.

Ein autofiktionaler Roman, der einem stellenweise die Luft abschnürt, sodass man zuerst ein Fenster öffnen und tief einatmen möchte. Erschütternd und zugleich beeindruckend unsentimental arbeitet Ljuba Arnautović ihre Familiengeschichte auf.

Sie findet schnörkellose Worte um den Erinnerungen Raum zu geben und lässt diese dadurch um so gewaltiger erscheinen. Trotz der distanzierten Erzählweise geht einem die ganze Geschichte sehr nah.