– Christoph Poschenrieder – Autorenlesung –

Der unsichtbare Roman

Der Abend beginnt mit einer herzlichen Begrüßung durch Frau Röhrl, der Inhaberin der Buchhandlung Bücherwurm, im neuen Standort in der Maximilianstraße 4 in Regensburg.

Es ist der Ersatztermin (Lockdown im Frühjahr) für die Autorenlesung mit Christoph Poschenrieder, der sein aktuelles Buch „Der unsichtbare Roman“ vorstellt.

Letzte Feinabstimmungen an der Technik und als Christoph Poschenrieder angekündigt wird und nach vorne tritt, holt er erst einmal einen Stapel Bücher aus seinem orangefarbenen Rucksack hervor.

Unter anderem Exemplare von „Des deutschen Spießers Wunderhorn“ und „Der Golem“ von Gustav Meyrink.

Meyrink ist der Protagonist in „Der unsichtbare Roman“, österreichischer Bestsellerautor, ein „Suchender“ im Okkulten und ein begeisterter Yogafan. Dieser erhält vom Auswärtigen Amt ein Angebot, einen Roman über die Verantwortung der Freimaurer am Blutvergießen im Ersten Weltkrieg zu schreiben. Selbstverständlich gegen ein horrendes Honorar. (Fakt)

Zwischen den einzelnen Leseabschnitten, bei denen sich Christoph Poschenrieder auch als ausgesprochen guter Vorleser entpuppt, berichtet er immer wieder über Gedanken, Ideen und Fakten, die er bei seiner Recherchearbeit für das Buch zusammengetragen hat.

Auch kleine Gewohnheiten, wie zum Beispiel die Namensfindung für seine Figuren – er geht in München öfter am Alten Nordfriedhof spazieren und findet hier eine ganze Menge Inspiration für Namen auf den Grabsteinen.

Es fühlt sich stellenweise an wie eine Geschichtsstunde mit Poschenrieder – nur nicht langweilig, denn er hat unglaublich gut und viel recherchiert, nutzt Fakten über Meyrink und die Geschichte schamlos aus wie er selbst sagt, um sie zu verdrehen und zu lügen.

Traurig ist, dass ich gestern auf der vorerst letzten kulturellen Veranstaltung war…

…umso mehr freue ich mich über diesen gelungenen Abend bevor der Lockdown am Montag greift.

– Frank Berzbach – Autorenlesung –

Die Schönheit der Begegnung

Zweiunddreißig Variationen über die Liebe

Zweiunddreißig Variationen über die Liebe und eine Lesung mit @frankberzbach in den Zeiten der Corona.

Fast schon zu spät (ich Schussel) und mit sehr viel Glück, habe ich doch noch von der Veranstaltung bei unserer Buchhandlung Dombrowsky erfahren. Umso mehr freue ich mich, dass ich es zu diesem angenehmen Abend geschafft habe.

Es ist keine Lesung im herkömmlichen Sinne. Vielmehr erzählt Frank Berzbach über sein Buch „Die Schönheit der Begegnung“, wie es dazu kam, berichtet von den kleinen Nebenstories, die ihn zu diesem Roman bewogen und hier und da ein Schwank aus seinem Autorenalltag.

Allzu viel möchte er nicht vorlesen. Er möchte uns Zuhörer/ Leser lieber neugierig machen es selbst zu lesen. Wir sollen herausfinden, welche Kennenlerngeschichte -die Eine- ist. Die Pausen zwischen den Lesungen nutzt er lieber für den Mono- oder Dialog mit dem Publikum.

Was meine Geschichte des Kennenlernens mit Frank Berzbach betrifft – nun ja, sie begann mit der Suche nach einem Babysitter…

Ein schöner, amüsanter Abend mit einem sympathischen Autor und vielen Tipps für die Book- und Playlist.

– Dorian Gray oder: Das Bildnis des Oscar Wilde –

Arte Mediathek: Dokumentation

„Das ist eines der Geheimnisse des Lebens: Die Seele mit den Mitteln der Sinne und die Sinne mit den Mitteln der Seele zu heilen.“

Es gibt zeitlose Klassiker, die man immer wieder zur Hand nimmt. Für mich gehört „Das Bildnis des Dorian Gray“ definitiv dazu. Ein junger Schönling dessen Leben geprägt ist von der Besessenheit nach ewiger Jugend, Ausschweifungen und Vergnügungssucht.

Gestern lief eine wunderbare Dokumentation auf Arte in der sich Schriftsteller, Übersetzer  und auch Verwandte des Autors zu Wort melden und sich mit dem Roman, aber auch mit dem Schriftsteller und Mensch Oscar Wilde auseinandersetzen.

Bis heute fasziniert Wildes Roman die Leser, inspiriert Kunst und Literatur, besticht durch seine Zeitlosigkeit und seine für damalige Verhältnisse skandalträchtigen Aussagen.

In dieser Doku äußern sich Amélie Nothomb, Übersetzer Anatole Tomchak und diverse Professoren zu Parallelen zwischen Autor und Romanfigur, zum viktorianischen Zeitalter und wie der Roman in unsere Gegenwart hineinpasst. Auch Oscar Wildes Enkel Merlin Holland kommentiert das Leben, Wirken und das Ende seines Großvaters in persönlichen Worten.

Großer Doku-Tipp zum Buch:

Arte Mediathek https://www.arte.tv/de/videos/086906-000-A/dorian-gray-oder-das-bildnis-des-oscar-wilde/

– Aufzeichnungen eines Serienmörders –

Young-Ha Kim

Was für ein originelles Buch!

Diagnose Alzheimer-Demenz…Byongsu Kim, ein Veterinär im Ruhestand und ehemaliger Serienmörder, lebt mit seiner Tochter Unhi zusammen und versucht dem beginnenden Verfall Herr zu werden, in dem er sich an seine früheren Morde erinnert.

Seine spezielle Karriere begann mit dem Mord an seinem eigenen Vater. Danach folgte eine erfolgreiche Laufbahn über viele Jahre, bevor er sich auf die Erziehung seiner Tochter konzentrierte und mit dem Töten aufhörte.

So kommt es, dass die Liebe zu ihr ihn wieder in den „aktiven Dienst“ als Serientäter führt. Es geschehen in letzter Zeit viele Morde in der Umgebung und die Angst um seine Tochter, lässt ihn einen Plan fassen. Er möchte den Täter ausschalten, bevor ihn die Krankheit daran hindern kann.

So eine krasse und geniale Geschichte, die richtig Spaß macht und spannend ist! Auch der Aufbau erinnert sehr an Eintragungen in einem Tagebuch.

Der trockene Humor und die klugen Gedankengänge sind wirklich ein Genuss. Der etwas andere Krimi! Prima!

– Hotel der Schlaflosen –

Ralf Rothmann

„Fear is a man’s best friend“ …

Nach diesem Motto schreibt Ralf Rothmann in seinem Erzählband „Hotel der Schlaflosen“. In diesen kurzen Geschichten geht es vor allem um eines: existenzielle Angst.

Ralf Rothmann schickt seine Figuren durch emotionale Achterbahnfahrten.

Und es sind keineswegs gewöhnliche Erzählungen, die er einfach mal eben  niederschreibt. Sie sind sehr anspruchsvoll und von einem sprachlich haarscharfen Stil.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ideal für die Leser*Innen, die sich in einer Phase knapper Freizeit befinden und keinen Roman beginnen können/wollen.

Stimmungsvoll, präzise und intensiv.

– Wenn die Nacht am stillsten ist –

Arezu Weitholz

Die Geschichte einer Trennung…

Anna, Musikjournalistin in einer Hamburger Redaktion, sitzt am Bett ihres Exfreundes und Kollegen Ludwig, der nach einem Suizidversuch mit Tabletten bewusstlos ist.

Dies ist die Ausgangssituation einer Geschichte, die eine Art Abgesang auf eine Beziehung ist.

Anna erzählt Ludwig ihre Lebensgeschichte und all die Dinge, die sie aus Angst vor seinem strengen Urteil immer für sich behalten hat. Ludwig ist ein narzisstischer und völlig bindungsunfähiger Typ, spielt gerne den Intellektuellen und ist eine Art Pop-Szene-Blender.

Anna, die schon einiges hinter sich hat und privat schon eine Menge Krisen überstehen musste (Vater Suizid/ Mutter in Pflege), verliebt sich scheinbar immer in diese toxischen Männer. In Rückblenden erfährt man, dass sie sich auch in dieser Beziehung emotional erpressen, ja stellenweise sogar schon misshandeln ließ.

Meine Güte – kann Arezu Weitholz schreiben! Ich habe jeden Satz und jede Metapher genussvoll eingesogen. Was für eine unfassbar einnehmende Sprache und tiefe Erzählweise.

Atmosphärisch sehr dicht, melancholisch und ein literarisches Juwel.

Unbedingt lesen!

– Streulicht –

Deniz Ohde

Die Geschichte handelt von einer namenlosen, halbtürkischen Ich-Erzählerin, die aus einer Arbeiterfamilie stammt, sich in ihrem Heimatort gefangen fühlt und daran erinnert wie sie den Absprung zur Akademikerin schaffte.

Ihr Familienleben ist geprägt von häuslicher Gewalt, der Vater trinkt, in der Schule wird sie sowohl von Lehrern als auch von Mitschülern ins Abseits gestellt und schulische Erfolge oder Ambitionen werden durch Hürden und Kommentare zunichte gemacht. Die Schülerin ist zu still, zu defensiv um sich zu behaupten oder gar zu wehren und somit von vornherein vom System zum Versagen verurteilt.

Es ist unglaublich authentisch wie Deniz Ohde hier die Problematik in unserem Bildungssystem beschreibt. Eine Chancenungleichheit die Schüler*innen durch das Raster fallen lässt oder sie aussiebt, anstatt sie zu motivieren und ihnen Unterstützung angedeihen zu lassen.

Es wird Leser*innen geben, die diese Probleme nie kannten und nie gesehen haben. Und dann wird es Leser*innen geben, die ganz genau wissen wovon die Autorin hier schreibt. Die es selbst erlebt haben.

Einiges kam mir aus meiner eigenen Schulzeit sehr bekannt vor und ich schwankte immer wieder zwischen Schwermut und Ärger.

Brandaktuell, feinfühlig und tiefgreifend.