– Pauls Garten –

Timon Meyer/Julian Meyer

Nachdem die Twins bereits von #heutenicht so begeistert waren und noch immer sind, haben wir uns natürlich das neue Kinderbuch vom Team Timon Meyer/Julian Meyer geholt.

In Reimform wird die Geschichte von Maulwurf Paul und Ferkel Erna erzählt.

Diese bestellen gemeinsam Pauls Garten und arbeiten zusammen. Als Paul sich nach der harten Arbeit über eine reiche Ernte freut, muss er feststellen, dass Erna aus Nächstenliebe alles Obst und Gemüse verschenkt hat.

Das macht natürlich erstmal schlechte Laune…

ABER dann kommen die anderen Tiere mit selbstbereiteten Speisen und begehen alle gemeinsam ein Festessen.

Die Moral: Zusammenarbeiten und Teilen schafft ein fröhliches Miteinander.

  • Empfohlen ab 4 Jahren
  • Reimform
  • Super illustriert und man entdeckt immer wieder neue Details

Jetzt schon ein großer Hit bei meinen Früchtchen.

– Der gefrorene Himmel –

Richard Wagamese

„Sie kommen auf verschiedenen Wegen, diese Zhaunagush“, sagte sie. „Ihre Reden und ihre Geschichten können dich genauso schnell wegschaffen wie ihre Boote.“ Als Kind hatte ich also Angst vor den Weißen. Wie sich zeigte, mit gutem Grund.

Die Handlung des preisgekrönten Romans „Der gefrorene Himmel“ von Richard Wagamese dreht sich um Saul Indian Horse aus dem Stamm der Ojibwe. (Anishinabek)

Er lebt mit seiner Familie im nördlichen Ontario. Als seine alkoholabhängigen Eltern die Familie verließen, brachte seine Großmutter den kleinen Jungen in die Stadt.

Saul wird in St. Jerome’s untergebracht, einem staatlichen Heim, in dem noch viele andere Kinder indigener Abstammung leben.

Um dem rauen Alltag in der Einrichtung, sowie den Grausamkeiten der Nonnen und Pater wenigstens psychisch zu entkommen, verschließt er sich in sein Innerstes und findet nur im Eishockeyspiel ein wenig Freude.

„Wenn dir die Unschuld genommen wird, wenn dein Volk verleumdet wird, wenn die Familie, der du entstammst, beleidigt und bloßgestellt wird, wenn deine Stammesbräuche und -rituale als rückständig, primitiv, barbarisch gebrandmarkt werden, dann betrachtest du dich selbst nicht mehr als menschlich. Das ist die Hölle auf Erden, dieses Gefühl der Unwürdigkeit. Und das haben sie uns angetan.“

Sauls ungewöhnlich ausgeprägtes Talent für diesen Sport bleibt nicht lange verborgen und schon bald kommt er bei der Familie Kelly unter gesetzliche Vormundschaft. Er darf in der örtlichen Eishockeymannschaft „The Moose“ mitspielen, deren Mitglieder ebenfalls den First Nations angehören.

Eishockey öffnet Saul Indian Horse so manche Tür, doch konfrontiert es ihn auch mit dem vollen Rassismus der Weißen. Während Saul für das Spiel lebt, wird er immer wieder auf seine Herkunft reduziert, beleidigt, beschimpft und verprügelt.

Als er den Sprung in die NHL schafft, wird es umso härter. Die Presse vergleicht seine Spielweise immer wieder mit Kriegspfad, Skalps jagen oder den leuchtenden Augen eines Kriegers in voller Kriegsbemalung.

„Ich wollte immer höher steigen, einer der glänzenden Sterne werden. Aber sie ließen mich nicht bloß Hockeyspieler sein. Ich musste immer Indianer bleiben.“

Wenn man sich ein wenig mehr mit Geschichte beschäftigt, kommt man nicht umhin sich zu fragen, ob es irgendetwas gibt, wo die Weißen in all ihrer Zivilisiertheit nicht eingedrungen sind und es sich widerrechtlich angeeignet haben.

Richard Wagamese hat einen einfühlsamen und unvergesslichen Roman über das Leben eines kleinen Jungen geschrieben, der seinen Platz in einer Welt sucht, in der es wegen seines kulturellen Erbes keinen Platz zu geben scheint.

Wenn man sich mit dem Autor ein wenig näher befasst, erkennt man hier und da ein paar autobiografische Züge, die er in die Geschichte mit einfließen ließ. Hierzu bietet das Nachwort von Katja Sarkowsky mehr Informationen und rundet das Leseerlebnis nochmals ab.

Wunderbar übersetzt von Ingo Herzke.

Pittoreske Sprache, zugänglich und absolut lesenswert.

– Der Klang der Wälder –

Natsu Miyashita

„In gewisser Weise konnte ich jedoch nachvollziehen, dass Astronomie und Musik als Matrix der Welt galten. Man extrahiert aus dem unendlichen Sternenmeer einige wenige Exemplare, um sie in eine umrissene Form zu bringen. Beim Stimmen ist es ähnlich. Man erwählt schöne Dinge aus dem Gesamtgefüge der Welt, wo sie sich im aufgelösten Zustand befinden. Dabei geht man ganz behutsam vor, um die Schönheit in der Sichtbarmachung zu bewahren.“

Als der 17 jährige Tomura dem Klavierstimmer Itadori bei der Arbeit am Schulklavier zusieht, steht sein Entschluss fest: Er will selbst Stimmer werden und geht in die Lehre.

Tomuras Faszination für das Handwerk des Klavierstimmens und dem Anspruch an sich selbst den perfekten Klang zu erzeugen, begleiten in über lange Zeit, bis er seinen Kollegen und Mentor Yanagi zu einem Kundentermin bei den Zwillingsschwestern Yuni und Kazune begleitet.

Tomura, der ständig mit Selbstzweifeln seiner Arbeit wegen kämpft, erkennt dass es beim Stimmen nicht nur um die Technik geht. Er gerät immer wieder ins Wanken, ob er über ausreichend Talent für den Beruf verfügt, wo er doch sonst keine musikalische Bildung besitzt und nicht einmal selbst Klavier spielen kann.

Worauf kommt es eigentlich an? Haben seine unermüdlichen Bestrebungen überhaupt einen Sinn?

Wer in diesem Buch nach aufregender, schneller Story sucht, wird hier nicht fündig.

„Der Klang der Wälder“ besticht vielmehr durch seine wundervoll zarte und sanfte Erzählweise. Natsu Miyashita schreibt einen Roman über das stetige Bemühen und Streben nach Perfektion, über die unergründliche Wirkung von Musik, die imstande ist die unterschiedlichsten Gefühle aus uns herauszuziehen.

Die bilderreiche Sprache ist ein wahrer Genuss und alle Leser*innen der ruhigen und behutsamen Töne werden voll auf ihre Kosten kommen.

Es wundert mich überhaupt nicht, dass das Buch mit dem japanischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet wurde: Es spiegelt die Philosophie ihrer gesamten Kultur wieder.

Leise, sinnsuchend und liebevoll.

– Zwischen Du und Ich –

Mirna Funk

Auf den neuen Roman „Zwischen Du und Ich“ von Mirna Funk war ich nach der Live-Lesung auf Instagram sehr gespannt.

Nike, in ihren 30ern, Jüdin, wuchs in Ostberlin auf und trägt eine Last schwerer Erinnerungen mit sich herum. Nicht nur ihre eigenen Probleme mit einem Ex-Freund, sondern auch das Holocaust-Schicksal ihrer Familie. Eines Tages erhält sie die Möglichkeit für ein Jahr in Tel Aviv für die DAAD zu arbeiten. Diese Zeit möchte sie gleichwohl für ihre Alija (Einbürgerung) nutzen. (Siehe Wikipedia-Artikel: Rückkehrgesetz)

Noam, ein Israeli mittleren Alters und Journalist, lebt in Tel Aviv und hat soeben seinen Job bei der „Haaretz“ an den Nagel gehängt. Er führt ein seltsames, emotional abgestumpftes Leben und teilt sich die Wohnung mit seinem psychisch und physisch gewalttätigen Onkel Asher. Dieser hat ihn aufgezogen, da sein Vater schon lange verstorben ist und seine Mutter daraufhin die Familie verlassen hat. Aber das ist nicht das einzige Trauma. Als Kind wurde er zudem vom Sportlehrer sexuell missbraucht.

Nike und Noam lernen sich kennen, werden ein Paar und versuchen auf einen gemeinsamen Weg zu kommen. Beide sind auf der Suche nach Geborgenheit und haben eine Art Sehnsucht nach innerem Frieden.

Mirna Funk hat einen Roman geschrieben, der sich mit dem heutigen jüdischen Leben auseinander setzt. Wie können die Nachfahren der Überlebenden des Holocaust leben und Erlösung oder Glück finden. Wie können sie weitermachen trotz der unaussprechlichen Verbrechen die an den Juden verübt wurden.

Man wird sehr traurig beim Lesen, denn man begreift, die generationenübergreifende Trauer kann nicht vergessen werden.

Normalerweise lese ich recht schnell, was mir bei diesem Buch nicht möglich war. Ein paar Tage lang habe ich immer wieder darin gelesen und es auch immer wieder weggelegt. Diese bedrückende Stimmung und die Hilflosigkeit der Figuren, haben mich sehr nachdenklich gemacht. Besonders Noam war mir innerlich ein Dorn im Auge. Sein Umgang mit Frauen und eine Art Stalking um Nike kennenzulernen, hat bei mir sofort der Alarm für toxische Männlichkeit ausgeschlagen. 

An manchen Stellen fand ich die Dialoge und die Figuren nicht ganz überzeugend. Da war es mir etwas zu konstruiert und Entscheidungen für mich nicht nachvollziehbar.

Alles in allem aber ein lesenswerter Roman, der einem allerdings auch Unbehagen bereitet. Es ist definitiv kein Roman zum Wohlfühlen, doch mit Sicherheit wird er gebraucht.

Traurig, bedrückend und persönlich.

– Im Wasser sind wir schwerelos –

Tomasz Jedrowski

„Die ganze Zeit hatte ich dich fragen wollen, ob du sie liebst. Es war das Einzige, was ich bereute, nie gefragt zu haben. Inzwischen ist mir klar, dass es nie wichtig war. Denn du hattest recht mit deiner Bemerkung, dass Menschen uns nicht immer geben können, was wir von ihnen möchten; dass man nicht immer verlangen kann, uns so zu lieben, wie wir es wollen. Man kann das niemandem zum Vorwurf machen. Und die Chancen für uns standen von Anfang an nicht gut: Wir hatten kein Handbuch, niemanden, der uns den Weg zeigte. Nicht ein einziges Beispiel eines glücklichen Paars, das aus Jungs bestand. Wie sollten wir da wissen, wie es geht? Glaubten wir überhaupt daran, dass wir es verdient hatten, glücklich zu sein?“

Bereits die ersten Sätze in „Im Wasser sind wir schwerelos“ von Tomasz Jedrowksi haben mich tief berührt und mein Herz fest umklammert.

Ludwik ist von Polen in die Vereinigten Staaten emigriert um dem kommunistischen Regime zu entkommen und erinnert sich in Form eines Briefes an seinen ehemaligen Geliebten Janusz, der in Polen geblieben ist.

Einige Jahre zuvor nahm der damals studierende Ludwik an einem „freiwilligen“ Ernteeinsatz der Regierung teil. Dort lernt er Janusz kennen, der die Partei für eine Lösung aus der Armut hält. Ludwik hat ein geschmuggeltes Exemplar von James Baldwins „Giovannis Zimmer“ dabei, welches er in einem anderen Buch versteckt. Janusz möchte es gerne lesen und so leiht er es ihm. Die beiden knüpfen zarte Bande und als die Erntearbeit beendet ist, beschließen die beiden noch ein paar Wochen dranzuhängen und an einem abgelegenen Ort zu kampieren.

Fernab aller gesellschaftlichen und kommunistischen Einschränkungen, verbringen sie dort gemeinsame Zeit aus der ihre intensive Liebesbeziehung entsteht.

Als sie nach Warschau zurückkommen, können sie sich nur noch unter strengster Geheimhaltung treffen. Schon bald wird ihre Beziehung durch die unterschiedlichen Einstellungen zur Regierung und der politischen Strukturen auf eine harte Probe gestellt.

Während Janusz sich anpassen, im Regime aufsteigen und es so zu etwas bringen möchte, würde Ludwik am liebsten fortgehen und im Ausland ein neues Leben beginnen.

Ich bin ganz mitgerissen von diesem Debüt. Es ist unglaublich poetisch und gefühlvoll. Auch das Einflechten von Baldwins „Giovannis Zimmer“ ist wirklich meisterhaft gemacht und die Verehrung für den Autor deutlich spürbar.

Ebenso die Darstellung des sozialistischen-kommunistischen Regimes zu damaliger Zeit hat mich einfach umgehauen. Es fielen Sätze, bei denen mich ein regelrechter Schauer durchfuhr. Ich las Dinge, die ich schon so oft aus dem Mund meiner Mutter gehört hatte.

Das Schlange stehen um Toilettenpapier und Essen, stundenlang, ohne zu wissen ob man überhaupt etwas bekommt und wie man oft mit leeren Händen nach Hause kam.

Oder daran, wie meine Mutter das erste Mal  in einem deutschen Lebensmittelmarkt war und in Tränen ausgebrochen ist, weil die Regale vor lauter Ware nur so strotzten.

Wir kamen am 22.08.1988 zwischen 7:00 – 8:00 Uhr am Hauptbahnhof in Regensburg, Deutschland an.

Ich habe am Ende geweint. Eine ergreifende Geschichte über die Liebe. 

„Ich habe dieses Buch mehr geliebt, als Du wusstest.“ @tomasz.jedrowski 

– Lesemonat Februar 2021 –

So das war er also, der Lesemonat Februar:

  • Toni Morrison – Gott, hilf dem Kind
  • Paul Auster – Die New-York-Trilogie
  • Sharon Dodua Otoo – Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle…
  • Cho Nam-Joo – Kim Jiyoung, geboren 1982
  • Patricia Highsmith – Der süße Wahn
  • Han Kang – Die Vegetarierin
  • Jakob Nolte – Kurzes Buch über Tobias
  • Tove Ditlevsen – Jugend
  • Tove Ditlevsen – Abhängigkeit
  • Megan Hunter – Die Harpyie
  • Benedict Wells – Hard Land

Für mich war der Februar ein voller Erfolg. Gefühlt kommen dieses Frühjahr so viele gute Titel raus, wie schon lange nicht mehr.

Meine Begeisterung für asiatische Literatur wächst und wächst…da muss ich ganz klar sagen, dass ich @diek_aiserin und @literarischernerd dafür verantwortlich mache. Danke! 

Ebenso stand der Februar für den Black History Month. Eine große Auswahl an Inspiration findet ihr in meinem Feed oder unter dem Hashtag. Ich habe mir schon letztes Jahr mein eigenes Ziel gesetzt: jeden Monat möchte ich mindestens einen Titel Schwarzer Autor*innen lesen.

Meine Highlights:

Wie war Euer Lesemonat? Irgendwelche Bücher die ich unbedingt noch lesen sollte? Schreibt sie mir bitte in die Kommentare. 

– Hard Land –

Benedict Wells

Den langerwarteten Roman von Benedict Wells habe ich innerhalb eines Tages weginhaliert und jetzt darf ich endlich über ihn sprechen!

Inhaltlich geht es um den fünfzehnjährigen Sam Turner, der mit seiner Familie in einem Kaff namens Grady in Missouri lebt. Es ist 1985, im Ort gibt es wenig Abenteuer, dafür das typische Diner namens „Larrys Corner“, eine Fabrik, deren Schließung viele der Bewohner arbeitslos zurückließ und Filme wie „Zurück in die Zukunft“ im kleinen Kino.

In Letzterem beginnt der schüchterne Sam einen Ferienjob und macht die Bekanntschaft einiger Mitschüler. Kirstie, deren Vater besagtes Kino gehört, sowie Cameron und Brandon.

Zuvor der unscheinbare Außenseiter, beginnt er jetzt aufzublühen, schließt Freundschaften, geht auf Partys, stellt sich Mutproben und verliebt sich. Sam erkennt, dass jeder auf seine Art sein Päckchen zu tragen hat und zwischen Hausaufgaben sowie Dorfsterben einfach das Beste daraus macht.

Die Zeit zwischen Kind sein und Erwachsenenalter muss jeder überstehen und so zwingt ihn ein schwerer Schicksalsschlag, den Jungen in sich abzuschütteln und erwachsen zu werden.

Benedict Wells findet einen wunderbaren Mittelweg um die Geschichte zu erzählen. Obwohl es oft traurig ist, schafft er es ein ums andere Mal ein wenig Leichtigkeit hineinzubringen und weckte eine richtige Wehmut und Sehnsucht in mir, nach diesen besonderen Tagen meiner Teenagerzeit.

Diese Unbeschwertheit an sonnigen Nachmittagen, in denen Augenblicke gefühlt langsamer verstrichen, das sorglose Leben, welches man nur in diesem Alter lebt, bevor man plötzlich erwachsen ist und weiß, dass das Karussell niemals anhält und alles vergänglich ist.

Berührend, witzig und nostalgisch.

Eine Geschichte die es schon gegeben hat in Büchern und Filmen, die aber einfach gut tut. Der Plot ist nicht neu, aber mich hat er emotional drangekriegt.

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