– Die Narayama Lieder –

Shichiro Fukazawa

„Im rauen japanischen Hochland beherrscht die Natur das Leben der Dorfbewohner. Der Winter ist hart, auch für die zähe Orin, die sich unentwegt um das Glück ihres Sohnes sorgt.Doch bald muss sie sich verabschieden, denn der Brauch gebietet, dass sich die Alten mit siebzig auf eine Reise begeben, von der sie nicht zurückkehren.“

Ein wunderbares Kleinod der japanischen Literatur!Eine kleine Geschichte über leben und sterben, die Liebe und die Würde des Menschen.Ein Klassiker und absolut lesenswert!

Übersetzung: Thomas Eggenberg

– Die Ruchlosen –

Philippe Djian

„Ist dir bewusst, fuhr sie fort, wie schwer er auf uns lastet. Wir leiden unter seiner Abwesenheit, und wir leiden unter seiner Anwesenheit, unter seiner Allgegenwärtigkeit, wir leben nicht zu zweit in diesem Hause, wir leben hier zu dritt, und du und ich leben in einem Kopfgefängnis, das uns zum Verhängnis werden wird.“

Seit Patricks gewaltsamen Tod, leben seine Witwe Diana und sein jüngerer Bruder Marc zusammen, versuchen darüber hinwegzukommen und weiterzumachen. Marc versucht Diana von ihren suizidalen Gedanken und Versuchen abzulenken.
Beiden kreisen immer wieder die gleichen Dinge im Kopf umher, die Trauer scheint allgegenwärtig. Abende voller Alkohol, Gewalt und Gespräche.

Dieses Buch hat es mir überhaupt nicht leicht gemacht. Der intensive, ungewöhnliche Inhalt hat mich begeistert, doch die Art in der es geschrieben ist, machte es für mich anstrengend. Keine Anführungszeichen, die Dialoge fließen im übrigen Text umher.
Dies hat mich oftmals im Chaos umherirren lassen.

Es war mein erster Roman dieses Autors, aber bestimmt nicht der letzte.

Übersetzung: Norma Cassau

– Harlem Shuffle –

Colson Whitehead

„Vor ihm erstreckten sich keine neuen Ufer, endlos und üppig – das war etwas für Weiße – aber dieses neue Land war zumindest ein paar Blocks groß, und in Harlem waren ein paar Blocks alles. Ein paar Blocks waren der Unterschied zwischen Strebern und Gaunern, zwischen Gelegenheit und Herumgekrebse.“

Ray Carney, Inhaber eines Möbelgeschäfts, verheiratet und bald Vater zweier Kinder, ist eigentlich ein Selfmademan und rechtschaffen.

Hin und wieder erledigt er ein paar kleine Jobs für seinen Cousin Freddie, doch als es um die Beute der großen Raubaktion „Hotel Theresa“ geht, wird es eng für Ray.

Von nun an lebt Ray Carvey ein Doppelleben. Während er tagsüber der nette Verkäufer im Möbelladen ist, fungiert er nach Ladenschluss als Mittelsmann für die Unterwelt in Harlem.

Dieses Buch beschreibt völlig unaufdringlich die Verhältnisse und Machenschaften im New York der 60er Jahre.

Ein ehrlicher Mann merkt, dass er auf legalem Weg kaum zu Recht und Wohlstand gelangt und mischt im Nachtleben Harlem’s mit.

Colson Whitehead erzählt atmosphärisch und so gekonnt, dass man in dieses Milieu eintaucht und alles vor seinem inneren Auge sehen kann, die Stadt riechen.

Lakonisch schreibt er wieder einmal über (bis heute) gesellschaftlich relevante Themen wie Alltagsrassismus, strukturelle Benachteiligung und ob es so etwas wie gleiche Chancen geben kann.

Im Vergleich zu Underground Railroad und den Nickel Boys kommt dieser Ganovenkrimi etwas leichter daher. Whitehead hält aber dennoch sein Niveau und bietet qualitativen Lesespaß.

– Die Überlebenden –

Alex Schulman

Die drei Brüder Benjamin, Nils und Pierre haben sich über die Jahre entfremdet, werden aber durch den Tod der Mutter wieder zusammengeführt, als es um Beerdigung und Nachlass geht.

Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu einer Hütte am See, in der sie früher regelmäßig gemeinsam mit den Eltern ihre Sommer und ihre Kindheit verbracht haben. Dort wollen sie die Asche ihrer Mutter verstreuen und gleichzeitig wird es eine Reise in ihre gemeinsame Vergangenheit.

Aus der Perspektive Benjamins, wird in Erinnerungsfetzen episodenhaft die Geschichte dieser Familie erzählt und die Beziehung der drei Jungs zu ihren Eltern. Geprägt von übermäßigem Alkoholkonsum, Rivalitäten und der emotionalen Zurückweisungen durch die Mutter, scheint lediglich der Hund Molly eine Art liebevolle Zuwendung zu erhalten.

So wachsen die Brüder in einem unterkühlten Umfeld heran und haben ihre Kindheit wie der Titel vermuten lässt regelrecht überlebt.

Dieses Buch hat mich unglaublich fasziniert. Eine eher nüchterne und distanzierte Sprache erzählt von den emotionalen Verwundungen, die Eltern ihren Kindern zufügen können. Meiner Meinung nach kongenial übersetzt! Ob Wutausbrüche des Vaters oder die ambivalente Art der Mutter den Söhnen in einem Moment so etwas wie Nähe zu geben, um sie im nächsten wieder von sich zu stoßen. Die verschiedenen Zeitebenen sind wunderbar fein miteinander verwoben und erzählen von der Tragik dieser Familiengeschichte. Ein großartiges Debüt mit einem gewaltigen Ende!

Übersetzung: Hanna Granz

Ein toller Buddyread mit der lieben Linda 🙂

– Jane Austen –

The Ultimate Collection

Die Romane von Jane Austen begleiten mich schon, seit ich ein Teenager war.

Als Tochter eines Geistlichen, wuchs sie in einer überdurchschnittlich gebildeten Familie auf, die der “Gentry” angehörte. Durch den Zugang zur Bibliothek des Vaters, kam sie bereits früh mit Literatur in Verbindung und wagte im Alter von 12 Jahren erste eigene Schritte, verfasste kurze Prosa oder Bühnenstücke.

Nach dem Tod des Vaters zogen Jane, ihre ältere ebenfalls unverheiratete Schwester Cassandra und ihre Mutter zu ihrem Bruder Francis und dessen Frau nach Southampton. Ein erneuter und letzter Umzug erfolgte um 1809 als sie nach Chawton umsiedelten. Dort lebte, schrieb und veröffentlichte Jane Austen bis zu ihrem Ende. Dieses Haus ist heute ein kleines Museum, welches Austen gewidmet ist.

Zu ihrem Frühwerk zählen “Verstand und Gefühl”, “Stolz und Vorurteil” und “Die Abtei von Northanger”, welche an dem weit verbreiteten und beliebten “courtship plot” angelehnt ist.

Sie schreibt über junge Frauen aus dem ländlich gehobenen Bürgertum “Gentry”, die sich gesellschaftlich etablieren und verschiedenen (auch zwischenmenschliche) Schwierigkeiten bewältigen müssen, bevor sie letztendlich eine Liebesheirat feiern.

“Eine gute Heirat war in der damaligen Zeit die einzige akzeptable Möglichkeit für eine junge Frau der „Gentry“, sich eine respektable Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Andernfalls war sie ihr Leben lang – ähnlich wie Jane Austen selbst – vom Wohlwollen und der Großzügigkeit wohlhabender Verwandter abhängig. Alle drei Romane behandeln den Zwiespalt der Hauptfiguren, diese gesellschaftlich auferlegte „Pflicht“ zu erfüllen und trotzdem eine emotional und menschlich befriedigende Ehe einzugehen. Wie in all ihren Werken dient diese Rahmenhandlung der Autorin aber vor allem dazu, soziale, menschliche und gesellschaftliche Eigenarten aufzudecken, zu karikieren und mit feinem Humor zu kritisieren.” (Quelle: Wikipedia)

Ich nehme ihre Romane immer wieder zur Hand, blättere darin und lese meine Lieblingspassagen.

Außer: Emma …mit diesem Roman hat mich Austen nicht rumgekriegt. Alle die mich kennen, wissen genau welche Antipathie ich für diese literarische Person hege.

Aber bitte — urteilt selbst und taucht ein in Austens Welt, die vergleichbaren Kultstatus wie William Shakespeare erreicht hat und aus der britischen Kultur nicht mehr wegzudenken ist!

– Ein erhabenes Königreich –

Yaa Gyasi

“Ich wusste, dass dieselben Eigenschaften, die Menschen großartig machen — unser Leichtsinn, unsere Kreativität und Neugier —, das Leben von allem um uns herum erschweren. Weil wir das Tier sind, das genügend Mut hatte, um mit Schiffen zur See zu fahren; auch als wir glaubten, die Erde wäre flach und unsere Schiffe würden vom Rand fallen, entdeckten wir neue Länder, andere Völker, Rundheit. Der Preis für diese Entdeckungen war die Zerstörung der neuen Länder, der anderen Völker. Ohne uns würden sich die Ozeane nicht in Säure verwandeln, Frösche, Fledermäuse, Bienen und Riffe wären nicht vom Aussterben bedroht. Ohne mich würde die hinkende Maus nicht hinken; sie wäre niemals süchtig geworden. Ich wuchs auf in dem Glauben, dass Gott uns die Herrschaft über die Tiere gegeben hat, ohne dass mir je gesagt wurde, dass ich selbst ein Tier bin.”

In “Ein erhabenes Königreich” befasst sich Autorin Yaa Gyasi mit Wissenschaft und Glaube.

Gifty, eine Neurowissenschaftlerin, die an Hand von Mäusen Suchtverhalten analysiert, beschäftigen Fakten und Religion schon immer.

Ihre Eltern wanderten aus Ghana in die Staaten nach Alabama aus. Nachdem der Vater bald frustriert zurückreist, bleibt die religiöse Mutter mit Gifty und ihrem älteren Bruder Nana in der neuen Heimat und arbeitet als Krankenpflegerin bei Weißen.

Als guter Sportler erreicht Nana einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Stadt. Auch wenn Rassismus für die Familie immer wieder ein Thema ist, schaffen sie es so etwas wie ein klein wenig Normalität für sich zu beanspruchen. Dies ändert sich nach einer Sportverletzung Nanas. Nicht der Unfall setzt ihn außer Gefecht, sondern die anschließende Drogensucht, da er starke Schmerzmittel bekommt und süchtig wird.

Die Autorin arbeitet mit Rückblenden in Giftys Kindheit und erzählt die Familientragödie an Hand Erinnerungsfragmenten und Tagebucheinträgen. In der Gegenwart erleben wir die schwierigen Verhältnisse um Giftys Mutter, die nach dem Abschied vom Ehemann und dem Schicksal des Sohnes unter schweren Depressionen leidet. Die Auseinandersetzung der Protagonistin mit Wissenschaft und Religion war wirklich gut herausgearbeitet

Das Buch ist so anders als “Heimkehren”. Auch wenn es nicht ganz an den Vorgängerroman herankommt, hat mich diese Geschichte gepackt.

– Foutah Djallon –

Mamadou Oury Balde, Carla & Eva Behringer

Kleiner westafrikanischer Start in den Tag.

Vor zwei Tagen kam dieses tolle Kochbuch mit der Post.Foutah Djallon von Mamadou Oury Balde, Carla Behringer und Eva Behringer – Ein faszinierendes, inspirierendes Buch voller authentischer Rezepte.

Zu Anfang gibt es ein Zutatenverzeichnis in denen die typischen Lebensmittel Afrikas erklärt werden.In über 70 Rezepten ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei.

Ob Traditionelle Gerichte, Streetfood, Suppen oder Süßes – hier kommen Vegetarier, Veganer und Flexitarier auf ihre Kosten. Beim Blättern fiel mir eines ganz deutlich auf: Es braucht nicht viele Zutaten um etwas Leckeres zu zaubern.

Ich habe bereits zwei Afro-Läden in meiner Gegend ergoogelt, um an die benötigten Lebensmittel zu kommen.Aber als ersten Versuch konnte ich mir einen der leckeren Smoothies aus dem Buch zaubern. 🤩 Mega lecker!Interessante Geschichten und atmosphärische Bilder geben nochmal das extra feeling und machen große Lust auf eine kulinarische Reise durch Ghana, Liberia oder Nigeria.Für Essen mit dem gewissen Etwas.

%d Bloggern gefällt das: