– Das eiserne Herz des Charlie Berg –

Sebastian Stuertz

Bunter Genremix mit skurrilen Figuren!

Als ich „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ zur Hand nahm, habe ich erstmal schlucken müssen.

Im Mai habe ich einige dicke Bücher gelesen und dieses hier mit gut 700 Seiten steht denen in nichts nach.

  • Frühe 90er
  • Opa durch Jagdunfall umgekommen
  • Dauerkiffender Vater
  • Abwesende Mutter
  • Autistische Schwester mit Inselbegabung

Charlie möchte eigentlich ausziehen und schreiben, muss aber die Familie organisieren und am Laufen halten. 

Spannende Handlung, originelle Protagonisten und die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen kommen in diesem Buch zusammen. Ein Sammelsurium an Ideen!

Schräg, furchtlos und liebenswert. 

Schwer zu beschreiben – einfach selbst eintauchen ist das Beste!

Im wahrsten Sinne des Wortes ein Leseerlebnis!

– Der Strand bei Nacht –

Elena Ferrante

#ferrantefever

Ich gestehe: Ich bin ein Elena Ferrante Fangirl – durch und durch. 

Überflüssig es zu leugnen.

„Der Strand bei Nacht“ erzählt die Geschichte von Puppe Celina, die ihrer Mama Mati am Strand verloren geht, da diese durch ihr neues Haustier abgelenkt ist.

Sie ist eifersüchtig auf Katze Minù und traurig darüber, dass Mati sie links liegen lässt.

Celina durchlebt eine Schreckensnacht. Bedroht durch den Strandwärter, der mit Hilfe des Rechens alles Verlorengegangene oder Zurückgelassene zusammenharkt und verbrennt, was er nicht zu Geld machen kann.

Er hat es auf ihre Worte abgesehen, die er verkaufen möchte und sich so einen guten Gewinn ausrechnet.

Wenn man die Bücher von Ferrante kennt, kann man erahnen, wieso es um Worte und Sprache in dieser kleinen, feinen Geschichte geht.

In ihren Romanen sind Sprache und Wortschatz bei den Figuren immer von höchster Bedeutung.

Wie schon bei der neapolitanischen Saga, hat auch hier wieder Karin Krieger aus dem Italienischen übersetzt.

Die Illustrationen von Mara Cerri unterstreichen die düstere, gruselige Atmosphäre und runden das Leseerlebnis ab.

Ein kleines Juwel der Insel-Bücherei (Nr. 1458). 

– Hundertwasser –

Ein Haus für dunkelbunte Träume

„Der große Zauberer Hundertwasser zeigt, wie der Mensch im Einklang mit der Natur bauen und leben kann.“

Was für ein ausgesprochen wunderschönes Buch!

Friedensreich Hundertwasser, der primär malte, hat sich ebenso den Bereichen der Architektur und dem Umweltschutz verschrieben.

In diesem tollen Buch werden seine ökologischen Ideen und seine Grundsätze des umweltbewussten Bauens in einer schönen Geschichte vermittelt.

Schillernde Bilder und eine interessante Geschichte laden zum Zuhören und Ansehen ein.

Bäume an Häusern und viel „grün“ bieten eine gute Möglichkeit um bei Kindern Fantasie und ökologisches Denken anzuregen und zu fördern.

Am Ende des Buches gibt es einige Fakten und Hintergrundinfos zu Hundertwasser. So kann man als vorlesendes Elternteil Fragen zum Inhalt noch besser erklären.

Sehr gelungen, inspirierend und farbenfroh!

– Die Bagage –

Monika Helfer

Lesetipp: „Die Bagage“ von Monika Helfer

Ein kurzer Roman, in dem ein ganzes Familiendrama steckt.

Die Familie Moosbrugger lebt in einem kleinen, weit abgelegenen österreichischen Dorf. Als „Bagage“ bekannt, führen Maria und Josef mit ihren vielen Kindern ein schlichtes, einfaches Leben.

Eines Tages wird Josef einberufen. Er verlässt die Familie um im ersten Weltkrieg „im Felde“ zu dienen. 

Maria bleibt mit den Kindern zurück und wird durch Bürgermeister Fink, der von Josef eingespannt wurde, in den harten Zeiten unterstützt und überwacht.

Dann taucht Georg auf. Ein Deutscher aus Hannover, in den sich Maria verliebt.

Schon die krummen „Geschäftchen“ Josefs sind immer wieder Gesprächsstoff in der kleinen Gemeinde und gaben eine Menge Munition für Lästereien, doch als Maria dann auch noch schwanger mit Grete wird, sind Gerüchte unvermeidbar.

Monika Helfer entfaltet in diesem knackigen Roman die Geschichte dreier Generationen. Grete, ihre Mutter, wurde zeitlebens von Vater Josef weder angesprochen, noch berührt.

Der knappe und lakonische Stil erinnert tatsächlich ein wenig an Robert Seethaler. Die Sprache ist sehr atmosphärisch.

Ich wurde in der Buchhandlung sehr gut beraten – nachdem ich in der letzten Zeit lauter dicke Bücher gelesen habe, war ich auf der Suche nach etwas kurzem.

Ein toller Tipp den ich gerne weitergebe: bitte lesen!

– Alfie und der Clownfisch –

Davina Bell & Allison Colpoys

Bestes australisches Bilderbuch 2018

„Manchmal hat Alfie dieses komische Gefühl, und er will sich einfach nur die Decke über den Kopf ziehen. Doch dann, eines Tages, fühlt er sich bereit für die Welt da draußen…“

Ein Buch über das Schüchternsein – und den Mut, über seinen Schatten zu springen.

Auch wenn meine Twins sich in vielen Fällen ähneln, unterscheiden sie sich in einigen Charakterzügen.

Klara ist die Draufgängerin, die einfach macht und total offen auf Leute zugeht. Ella ist eher die Beobachterin. Schüchtern sondiert sie meistens erstmal die Lage aus sicherer Entfernung.

Wie schön, dass es da Bücher wie dieses hier gibt. Es ist wirklich ganz wundervoll illustriert und süß gemacht.

Die Originalausgabe erschien 2015 und wurde jetzt 2020 in der ersten Auflage im Insel Verlag herausgegeben. Die Texte von Davina Bell wurden von Salah Naoura ins Deutsche übersetzt und die Illustrationen stammen von Allison Colpoys.

Ein tolles buch für die kleinen und auch die großen Kinder! Ich liebe die Farben!

– I am not your negro –

James Baldwin

„Aber die Schwarzen in diesem Land, die Zukunft der Schwarzen in diesem Land, ist genau so hell oder so dunkel wie die Zukunft des Landes.

Es liegt allein in der Hand der Amerikaner und unserer Politiker. Es liegt allein in der Hand der Amerikaner, ob sie dem Fremden den sie so lange verleumdet haben, ins Gesicht sehen, sich mit ihm befassen und ihn einbeziehen.

Die Weißen müssen versuchen, in ihren Herzen zu finden, warum es überhaupt notwendig war, einen Nigger zu haben. Denn ich bin kein Nigger. Ich bin ein Mensch.

Wer glaubt, ich sei ein Nigger, der braucht einen. Die Frage, die sich die weiße Bevölkerung im Land stellen muss, im Norden wie Süden, denn dies ist ein Land und für Schwarze gibt es hier keinen Unterschied.

Höchstens in der Art und Weise, wie man uns kastriert. Aber die Kastration ist eine amerikanische Tatsache.

Wenn ich hier nicht der Nigger bin, und Ihr ihn erfunden habt, wenn Ihr, die Weißen, ihn erfunden habt, müsst ihr herausfinden, warum.

Die Zukunft des Landes hängt davon ab, sich dies fragen zu können.“

James Baldwin, I am not your negro

Die Dokumentation ist in der ARTE Mediathek abrufbar. Dringend ansehen!

– Whisper Network –

Chandler Baker

#metoo in Romanformat.

„Whisper Network“ handelt von 3 Frauen, die sich gegen ihren Geschäftsführer zur Wehr setzen, dessen jahrelange Übergriffe und Grenzverletzungen ein offenes Geheimnis sind.

Die Story wird auf unterschiedliche Weise erzählt. Entweder durch die Blickwinkel der drei Hauptfiguren Sloane, Ardie und Grace oder durch diverse Verhörprotokolle der Ermittler. Aber auch eine Art „Wir Frauen“ Form wird hin und wieder verwendet, um zentrale Themen des Feminismus und die Rolle der Frau und Mutter im Berufsleben sowie auf der Karriereleiter zu beleuchten.

Der Inhalt und Plot ist so wichtig – spricht er doch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Machtgefälle und Abhängigkeitsverhältnisse an.

Auch die Täter-Opfer-Umkehr wird hier sehr gut aufgegriffen.

Leider wirkten die Charaktere blass und die Handlung teils unbeholfen, fast trivial auf mich.

Ich unterstütze allerdings die Sache – es muss über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gesprochen werden, über unangebrachte Kommentare, grenzverletzende Annäherung und Sexismus.

Hierzu kann dieses Buch seinen Beitrag leisten und zum Dialog einladen.

%d Bloggern gefällt das: