Sayaka Murata

-Schwindende Welt- von Sayaka Murata ist ein einziges WTF-Erlebnis!
Mit ihrer unverkennbaren literarischen Handschrift, hat Sayaka Murata noch vor -Die Ladenhüterin- und -Das Seidenraupenzimmer- einen schockierenden, grenzüberschreitenden Roman geschrieben, der nun endlich auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Die Protagonistin Amane lebt in einer Zeit, in der es zur Norm gehört, dass Ehen nur noch Zweckgemeinschaften ohne jegliche Romantik sind. Liebe existiert, wird aber völlig neu gelebt…Gefühle hegt man für Freunde, Idole und Animecharaktere.
Es ist völlig normal auch neben der Ehepartner, Beziehungen zu pflegen, jedoch wird Sex von der Gesellschaft als abartig und inzestiös abgelehnt, was zu einer Art kollektiven Asexualität geführt hat.
Dies hat sich über die Zeit entwickelt, nachdem die Medizin extreme Fortschritte gemacht hat und nun auch Männer durch eine künstliche Gebärmutter Kinder austragen können. Befruchtung findet nur noch künstlich statt – alles andere wäre pervers.
Im Verlauf der Geschichte gehen Amane und ihr Mann noch einen Schritt weiter. Sie ziehen in die Stadt Experimenta, in der Kinder per Bescheid unter ärztlicher Aufsicht gezeugt werden und nach der Geburt der Gesellschaft überlassen werden, in der alle Mitwirkenden “Mutter” genannt werden.
“Hier hätschelte man Menschenkinder wie Zicklein im Streichelzoo und ging dann fröhlich und frei, ohne Verantwortung zu übernehmen, allein nach Hause.”
Einfach crazy – für Kenner ein durchaus typischer Murata und deswegen schon ein Muss! Für Leser:innen, die noch keines ihrer Bücher gelesen haben, ist es mit Sicherheit ein Schock.
Sayaka Murata spielt gekonnt mit moralischen Vorstellungen und treibt einen bis ans Äußerste.
Wie in allen Romanen, die ich von ihr gelesen habe, zieht sich das Thema Normalität durch die Handlung und wird von ihr seziert, auseinandergenommen und ganz neu gedacht.
Übersetzung: Ursula Gräfe
Erschienen bei: @aufbau_verlage [unbezahlt|selbstgekauft]





