– Whisper Network –

Chandler Baker

#metoo in Romanformat.

„Whisper Network“ handelt von 3 Frauen, die sich gegen ihren Geschäftsführer zur Wehr setzen, dessen jahrelange Übergriffe und Grenzverletzungen ein offenes Geheimnis sind.

Die Story wird auf unterschiedliche Weise erzählt. Entweder durch die Blickwinkel der drei Hauptfiguren Sloane, Ardie und Grace oder durch diverse Verhörprotokolle der Ermittler. Aber auch eine Art „Wir Frauen“ Form wird hin und wieder verwendet, um zentrale Themen des Feminismus und die Rolle der Frau und Mutter im Berufsleben sowie auf der Karriereleiter zu beleuchten.

Der Inhalt und Plot ist so wichtig – spricht er doch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Machtgefälle und Abhängigkeitsverhältnisse an.

Auch die Täter-Opfer-Umkehr wird hier sehr gut aufgegriffen.

Leider wirkten die Charaktere blass und die Handlung teils unbeholfen, fast trivial auf mich.

Ich unterstütze allerdings die Sache – es muss über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gesprochen werden, über unangebrachte Kommentare, grenzverletzende Annäherung und Sexismus.

Hierzu kann dieses Buch seinen Beitrag leisten und zum Dialog einladen.

– Je tiefer das Wasser –

Katya Apekina

„Je tiefer das Wasser“ , ist der Debütroman von Katya Apekina und eines der besten Bücher, die ich in diesem Halbjahr gelesen habe.

Dieser Roman hat es in sich!

Edie und Mae, zwei Schwestern.

Eine bipolare, suizidale Mutter.

Ein toxischer Vater, der die Familie vor Jahren verlassen hat.

Nachdem sich ihre Mutter erhängen wollte und nun in einer Nervenklinik genesen soll, werden Edie und Mae zu ihrem Vater nach New York geschickt.

Edie kommt mit dem neuen, geordneten Leben nicht zurecht und möchte nur nach Hause um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, wie sie es schließlich immer getan hat.

Mae hingegen will davon gar nichts wissen und für immer bei ihrem Vater bleiben. Bloß alles hinter sich lassen und keinen Gedanken an die Mutter verschwenden.

Beide versuchen irgendwie weiterzumachen, jede auf ihre eigene Art und Weise. Schon in einer intakten Familie ist das Erwachsenwerden nicht leicht…umso schwerer ist es, wenn die Mutter psychisch krank und der Vater ein kräftezehrender Egomane ist.

Faszinierend und verstörend zugleich erzählt Katya Apekina ein Familiendrama, wie ich es schon lange nicht mehr gelesen habe.

Trotz des schweren, harten Themas kommt man erstaunlicherweise sehr leicht durch das Buch. Aus den Blickwinkeln verschiedener Protagonisten erfährt man die ganzen Abgründe und Probleme dieser Familie. Und die sind wahrlich nicht leicht zu ertragen.

Die Sprache fand ich sehr intensiv und stark – Brigitte Jakobeit hat hier in der Übersetzung wirklich ganze Arbeit geleistet.

Ein krasses, grandioses Buch. Nichts für schwache Nerven.

– Der Grüffelo –

Axel Scheffler – Julia Donaldson

Man muss nicht groß sein, um groß zu sein.

Der Grüffelo gilt mittlerweile als einer der Klassiker unter den Kinderbüchern.

Die kleine Maus begegnet einer Menge natürlicher Feinde, die es auf sie abgesehen haben. Doch mit Köpfchen und Fantasie gelingt es ihr immer wieder zu entkommen.

Das Buch ist wirklich fabelhaft! Schöne Texte und tolle Illustrationen.

Neben zwei anderen, ist der Grüffelo aktuell mit ein großer Favorit bei uns. Durch die tollen Reime, haben es die Girls schnell auswendig gelernt.

Jetzt wird immer fleißig mitgesprochen wenn es heißt: „Zum Grüffelo? Sag, was ist das für ein Tier?“ – „Den kennst Du nicht? Dann beschreib ich ihn Dir.“

– Lesemonat Mai –

Alle Bücher – meine Favoriten

Hoppla?! Ich habe tatsächlich 9 Bücher im Mai gelesen!

Das hat mich ziemlich erschöpft muss ich gestehen. Es waren einige dicke Bücher dabei und neben meinen Twins hat mich das sehr gefordert.

Aber ich bereue nichts!

  • Rebecca Makkai – Die Optimisten
  • Karosh Taha – Im Bauch der Königin
  • Anne Enright – Die Schauspielerin
  • Chad Harbach – Die Kunst des Feldspiels
  • Pierre Jarawan – Ein Lied für die Vermissten
  • Karine Lambert – Der unsichtbare Garten
  • Kent Haruf – Kostbare Tage
  • Ian McEwan – Saturday (Diogenes Backlistlesen No. 16)
  • Frank Berzbach – Die Schönheit der Begegnung

– Meine Top 4 im Mai –

– Die Schönheit der Begegnung –

Frank Berzbach

„Ich habe nichts gegen die Liebe. Wir haben nur nicht das beste Verhältnis.“ – „Okay, dann habe ich 32 Versuche das textlich zu verbessern.“

Frank Berzbach und ich im Insta-Chat über meinen Zynismus.

Also begann ich „Die Schönheit der Begegnung“  von Frank Berzbach zu lesen.

Es wurde mir von allen Seiten wärmstens empfohlen und ich war ein wenig in Sorge, denn mein ausgeprägter Zynismus kommt mir oft in die Quere. (Marina, hör auf zustimmend zu nicken!)

Aber ich habe nichts gegen gut erzählte Liebesgeschichten. Ob es nun eine oder zweiunddreißig sind.

Schon bei der ersten Variation musste ich schmunzeln. Nicht etwa aus Spott, sondern vielmehr weil sich bereits in der ersten Geschichte die ein oder andere Parallele zu meinem Leben abzeichnete.

Ein ruhiges, angenehmes Gefühl begleitete mich, als ich die Begegnungen Seite für Seite miterlebte. Es ist eine Mischung aus Fakten und Fiktion, die Frank Berzbach hier präsentiert und uns daran teilhaben lässt, wie er und seine Lebensgefährtin zueinander fanden.

Die Sprache ist sehr intensiv und der poetische Ton zieht sich durch das gesamte Buch – und das ohne Kitsch. Das hat mir sehr gut gefallen.

„Die Schönheit der Begegnung“ gibt durch die Aufteilung in die 32 Variationen immer wieder Raum kurz innezuhalten und über das Gelesene nachzudenken.

Fazit: Dieses Buch tut einfach gut.

– Saturday –

Ian McEwan

Diogenes Backlistlesen No. 16

Für die 16. Runde haben wir „Saturday“ von Ian McEwan per Umfrage gewählt.

Das Buch handelt von Henry Perowne, Ende 40, erfolgreicher Neurochirurg, perfektes Leben.

Am Samstag, den 15. Februar 2003, wacht er ungewöhnlich früh auf. Dieser Samstag ist kein gewöhnlicher, da eine große Demonstration gegen die Teilnahme Großbritanniens am Irakkrieg stattfindet.

Perowne fährt zu seinem wöchentlichen Squash-Spiel mit einem Kollegen und abends erwartet er die Familie zum gemeinsamen Abendessen, für das er höchstpersönlich kochen möchte.

Ein harmloser Autounfall bringt Henrys Leben gehörig durcheinander. Dieser Vorfall bringt Dinge ins Rollen, die ihn und seine Familie in der heimeligen Idylle der gehobenen Mittelschicht, völlig aus der Bahn werfen.

Ian McEwan will in „Saturday“ die Bedrohung durch Irak/Terror/Krieg und im Gegensatz dazu, die gut situierten Menschen der Mittelklasse im Westen zeigen.

Es ist für mich definitiv ein politisch motivierter Roman und meiner Meinung nach merkt man sehr sehr stark, dass 9/11 damals noch nicht lange her war.

McEwan hat hier wieder eine sprachlich ausgefeilte Arbeit abgeliefert, sehr gut übersetzt von Bernhard Robben.

Ich schätze den Autor sehr für sein Talent die großen Fragen und Themen immer wieder in seinen Romanen aufzuwerfen. Dabei gibt er den Protagonisten die Aufgabe an die Hand, die verschiedenen Blickwinkel zu beleuchten. So ist es Perowne in der Geschichte, der nicht unbedingt gegen den Irakkrieg ist, während seine Tochter Daisy diesen rigoros ablehnt.

Mich persönlich hat das Ende enttäuscht. Es war ein gutes Buch, aber mit schlechtem Schluss. Das hat es mir ein wenig madig gemacht.

Es gab aber viele Stimmen in der Diskussionsrunde der Gruppe, die das Ende völlig anders und positiv für sich bewerten.

Fazit: Mit Ian McEwan macht man eigentlich nie etwas falsch, auch wenn das Ende mal nicht nach dem eigenen Geschmack ist.

– Kostbare Tage –

Kent Haruf

Ich habe „Kostbare Tage“ so sehr entgegen gefiebert und habe es gleich nach Erscheinen bestellt.

Haruf nimmt uns wieder mit nach Holt, einer Kleinstadt im Herzen von Colorado.

Und es ist wie -nach Hause kommen- für alle Kent Haruf Fans.

Erzählt wird die Geschichte von Dad Lewis und seiner Familie. Schwer krank lässt er nochmals sein Leben Revue passieren, denkt an gute und schlechte Zeiten, die schwierige Beziehung zu seinem Sohn Frank, zu dem seit vielen Jahren kein Kontakt mehr besteht.

In der ihm noch verbleibenden Zeit wird er liebevoll von seiner Frau Mary und seiner Tochter Lorraine gepflegt.

Aber auch andere Bewohner von Holt werden näher beleuchtet. Wie die kleine Alice, die nebenan bei ihrer Großmutter Berta May lebt oder der neue Reverend Lyle, der frischen Wind und neue Gedanken in die Gemeinde bringen möchte und das mit mehr oder weniger Erfolg.

Der Autor lädt uns in diesem wundervollen Roman dazu ein, Dad Lewis auf seinem letzten Weg zu begleiten. Unaufgeregt, ruhig und sensibel erzählt er wieder einmal eine fabelhafte Geschichte über Menschen, die man so sehr ins Herz schließt, dass man sie gar nicht verlassen möchte.

Ganz große Liebe! Leider verstarb Kent Haruf 2014 und so muss ich mich schweren Herzens damit abfinden, dass es nicht mehr dieser fabelhaften Romane geben wird.

In letzter Zeit werde ich von meinem privaten Umfeld häufig um Lesetipps gebeten. Mein erster Satz: Alles von Kent Haruf.

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