– Der unsichtbare Garten –

Karine Lambert

Wenn er es sich aussuchen müsste…geburtsblind oder späteres Erblinden?

Diese und viele andere Fragen stellt sich Vincent, 35 Jahre, Tennislehrer, Diagnose Lebersche Optikusatrophie.

Kurze Zeit nachdem ihm die Ärztin sein Schicksal über den seltenen Gendefekt offenbart hat, erblindet er.

Von der Situation überfordert, sein bisheriges Leben mit einem Schlag wie weggewischt und seiner Zukunftspläne beraubt, zieht sich Vincent in das Haus seines verstorbenen Großvaters zurück.

Coline, die Nachbarin, ist eine der wenigen, die ihn in seiner Verzweiflung und der Krise unterstützt. Sie hilft ihm sein neues Leben zu gestalten und das obwohl auch sie allerlei Ballast mit sich herumträgt.

Eine zarte und sanfte Erzählweise, die Karine Lambert hier verwendet. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und man kommt in einem Rutsch durch.

Ernste Anklänge die leicht daherkommen.

Ein gutes Buch für zwischendurch.

– Post für den Tiger –

Janosch – BELTZ&Gelberg

Wie der kleine Tiger und der kleine Bär die Post erfanden…

Für alle Fans von Janosch und die, die es werden wollen, ist dieses Buch einfach ein #musthave

Immer wenn der kleine Bär zu Angeln geht, fühlt sich der kleine Tiger so einsam. Deshalb bittet er ihn: „Schreib mir doch mal einen Brief!“ …so nimmt die Geschichte ihren Anfang.

Eine ganz tolle Geschichte mit lieben Dialogen und ganz wunderbar illustriert.

Ich habe auf YouTube die passende Folge gefunden und es den Mädchen vorgespielt – sie waren ganz aus dem Häuschen, weil sie die Geschichte aus dem Buch kannten.

– Ein Lied für die Vermissten –

Pierre Jarawan

Ich bin soeben mit „Ein Lied für die Vermissten“ fertig geworden und komme gleich zur Sache.

Die Geschichte dreht sich um Amin, der seine Erinnerungen daran niederschreibt, wie er als  Jugendlicher mit seiner Großmutter Deutschland verlässt und in den Libanon zurückkehrt. Seine Eltern sind bereits seit langer Zeit verstorben (12 Jahre) und so muss er sich in einem Land zurechtfinden, welches immer noch mit den Spuren des Krieges und den damit verbundenen Geschehnissen kämpft und lebt.

Pierre Jarawan schlägt schon mit den ersten Sätzen eine so poetische, bilderreiche Sprache an, dass es fast unmöglich ist, sich dieser zu entziehen.

Die Straßen Beiruts, das Leben in der Nachkriegswelt, sowohl die Lebensfreude als auch stille Verzweiflung der Menschen…all das hat mich wirklich mitgerissen und in meinen Gedanken Orte und Begegnungen gebildet, die von Sehnsüchten, Heimat und Freundschaft erzählen.

Ein ganz wunderbar melancholischer Roman, der Fiktion und wahre Begebenheiten miteinander verknüpft.

– Die Kunst des Feldspiels –

Chad Harbach

Was soll ich sagen…es ist fabelhaft.

Die Geschichte dreht sich um den aus der Provinz stammenden Henry Skrimshander, der ein absolutes Ausnahmetalent im Baseball ist. Nichts scheint seiner Profilaufbahn im Weg zu stehen, als er sein Studium am Westish College beginnt und in dessen Mannschaft sein Können immer weiter ausbaut.

Doch dann passiert das Unvorstellbare. Ein Routinewurf geht daneben und das Drama nimmt seinen Lauf. Von nun an kämpft Henry mit Selbstzweifeln und Depressionen.

Nicht nur sein Leben gerät völlig aus den Fugen, sondern auch das vier anderer Figuren, deren Schicksale mit Henrys verwoben sind. Mike, Owen, Rektor Affenlight und seine Tochter Pella – auch ihre Welt wird auf den Kopf gestellt und alle versuchen ihren eigenen Weg zu finden.

Der Roman lässt sich sehr leicht lesen und es macht richtig Spaß. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich unbedingt weiterkommen wollte um zu erfahren, was als Nächstes geschehen wird.

Die Menschen in „Die Kunst des Feldspiels“ sind mir richtig ans Herz gewachsen (insbesondere Affenlight) und am Ende habe ich Tränen vergossen. 

Ein tolles Debüt von Chad Harbach. Absolute Leseempfehlung!

– Quappi –

Benji Davies

Klappentext: Im großen Teich wohnen viele Kaulquappen. Quappi ist die kleinste unter ihnen. Aber solange sie alle zusammen sind, kann ihnen nicht mal Großmaul, der Riesenfisch, gefährlich werden. Doch sie werden immer weniger – und schließlich ist Quappi ganz allein. Bis eines Tages etwas Wundervolles passiert.

Ein ganz wundervolles Buch, welches die Entwicklung von der Kaulquappe zum Frosch mit bunten, liebevollen Illustrationen erklärt.

– Die Schauspielerin –

Anne Enright

Mit diesem Roman habe ich mich sehr schwer getan.

Ich habe von anderen viel Gutes gehört darüber, aber mich persönlich hat das Buch nicht abgeholt.

In „Die Schauspielerin“ schreibt Anne Enright hier die Geschichte von Norah, die die Biografie ihrer Mutter Katherine O’Dell niederschreibt. 

 Einst eine gefragte Schauspielerin im alten Hollywood und nun in Vergessenheit geraten.

Der Stil hat mir gut gefallen und es gab sowohl bewegende als auch schockierende Momente, doch hatte ich eher das Gefühl etwas „abzuarbeiten“.

Ich habe einfach keinen Bezug zu den Figuren und konnte keine Verbindung zu ihnen finden.

Es ist aber gut möglich, dass das Buch auf andere Leser völlig anders wirkt und diese emotional besser erreicht.

Meine Empfehlung – einfach selbst lesen und ein eigenes Urteil fällen.

– Im Bauch der Königin –

Karosh Taha

Es war meine erste Wendebuch-Erfahrung. Vorab: Mit Wendebuch ist keineswegs irgendeine DDR-Story gemeint. Es ist ein Buch, welches von zwei Seiten gelesen werden kann und jeder Beginn aus einer anderen Perspektive, trotz Überschneidungen in der eigentlichen Geschichte.

Als leichte Entscheidungsneurotikerin, hatte ich zu Anfang echt ein Problem…ich habe das Buch beginnen wollen, aber konnte mich ehrlich gesagt erst gar nicht entscheiden, mit welcher Seite ich starten soll. Einige Male habe ich das Buch zur Hand genommen, erst den letzten Satz, dann den ersten Satz beider Geschichten gelesen. 

Wird mich der erste Blickwinkel bereits meinungstechnisch beeinflussen oder schaffe ich es neutral zu bleiben und auch die zweite Wahrheit unvoreingenommen zu lesen?!

Schließlich begann ich die Geschichte um Raffiq, seine Beziehung zu Amal, die bald für ein Jahr nach Chicago gehen möchte und seine Freundschaft zu Younes, dessen Mutter Shahira als Hure im kurdischen Viertel verschrien ist.

Sie ist alleinerziehend, lebt ein (auch sexuell) selbstbestimmtes Leben und zieht mit ihren Outfits die Blicke aller Leute auf sich.

Raffiq, kurz vorm Abi, scheint orientierungslos umherzutingeln, ist sich aber sicher die Familie bei der Rückkehr nach Kurdistan nicht begleiten zu wollen.

Die andere Geschichte erzählt von Amal, deren Vater die Familie verlassen hat, um zurück in Kurdistan sein eigenes Architektur zu eröffnen. Eher burschikos und ein Wildfang, sieht sie sich den permanenten Vorwürfen aus ihrem konservativen Umfeld ausgesetzt, die ihr immer wieder nahe legen, sie solle sich endlich wie ein braves „normales“ Mädchen verhalten.

Da ihr die Situation unerträglich wird, fliegt sie kurzerhand nach Kurdistan zu ihrem Vater und seiner zweiten Familie.

Zwei Geschichten, zwei Wahrheiten. Es gibt nicht -die- eine große Wahrheit und doch findet man immer wieder Überschneidungen. Für mich war Shahira und ihre Freizügigkeit die einzige Konstante in dem Buch. Jeder ist gleichermaßen fasziniert von ihr, als auch provoziert durch ihren Lebenswandel.

„Sie ist allein, sie ist mit sich, sie ist für sich, sie ist sich, sie ist nicht Shahira Shafiq, die Tochter von Anisa und Ramazan, sie ist nicht eine Frau, sie ist nicht ein Mensch, sie ist viel mehr und sie ist nichts, sie läuft und sie atmet und sie ist da und über ihr steht Gott und sagt, schau dir mein Werk an, bewundere es.“

Ich fand die Sprache von Karosh Taha wirklich erfrischend. So kraftvoll, allein die Beschreibungen von Shahira sinnlich, wie bei 1001 Nacht…klug und witzig.

Ein tolles Buch! Ich behalte die Autorin und die weiteren Werke, die hoffentlich folgen, bestimmt im Auge.

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