– Blackass –

A. Igoni Barrett

Furo Wariboko, Anfang 30, Nigerianer, wacht morgens in seinem Elternhaus in Lagos auf. Es ist ein wichtiger Tag für ihn, denn er hat ein Vorstellungsgespräch für einen Job, den er unbedingt bekommen muss.
Doch mit Entsetzen stellt er fest, dass er über Nacht zu einem Weißen geworden ist.

Ungesehen schleicht er sich aus dem Haus und versucht dennoch sein Vorstellungsgespräch durchzuziehen. Auf dem Weg dorthin begegnen ihm die Einheimischen wohl gesonnen, leihen ihm Geld, laden ihn auf einen Kaffee ein und statt den Job auf den er sich beworben hat, erhält er ein viel besseres Angebot samt Firmenwagen und Chauffeur.

Schnell merkt Furo, wie seine neue Identität als Pidgin-sprechender weißer Nigerianer mit grünen Augen und rotem Haar eine Menge Vorteile beschert.
Doch neben den Annehmlichkeiten bemerkt er auch, dass er in manchen Dingen schlechter behandelt wird, wie zum Beispiel den weitaus höheren Taxipreis für Weiße oder dass er (teils abwertend) als “Oyibo” (Pidgin, Igbo und Yoruba Ausdruck für Weiße) betitelt und somit seine nigerianische Abstammung nicht anerkannt wird.

Aber nicht nur Furo macht eine Verwandlung durch. Schriftsteller Igoni, der ihn vor dem neuen Job auf einen Kaffee eingeladen hat, macht ebenso eine Transformation durch, nennt sich Morpheus und wird zur Frau. Keine der Verwandlungen ist abgeschlossen..Furo hat noch immer einen Schwarzen Arsch und Igoni ihren Penis.
Beide lernen, dass Identität keiner festen Form folgt und sich unsere Äußerlichkeiten auf die Behandlung durch die Gesellschaft auswirkt, welche Zuschreibungen uns verpasst werden und welche Rolle unsere Hautfarbe bis heute spielt.

A. Igoni Barrett hat einen unterhaltsamen Roman über Identität und Zugehörigkeit geschrieben, der satirische und sozialkritische Töne anschlägt.
Die Verwandlung des Protagonisten wird mit Scharfsinn und erzählerischem Geschick zu einem Gesellschaftsportrait Nigerias voller Einfallsreichtum.
Eine bissige Farce auf konstruierte Narrative und Stereotype!

Übersetzung: Venice Trommer
Erschienen bei: @ikontinental

(selbstgekauft)

– Der Absprung –

Maria Stepanova

Die russische Schriftstellerin M. lebt fernab ihrer Heimat im sicheren Exil.
Doch die Gedanken an die animalischen Verbrechen ihres Landes wollen M. keinen Frieden finden lassen. Das Untier hat seine Klauen in Sprache und Gesellschaft geschlagen.

„Wer wusste schon, was ihre zum Kriegführen ins Nachbarland gereisten Landsleute in diesem Moment in dieser Sprache sagten, wie und wen sie im selben Moment umbrachten.“

Auf dem Weg zu einer Lesung, während einer langen Zugfahrt, wird sie nicht nur von Betroffenheit und Schmerz begleitet, sondern auch von Hoffnung.
Ein Streik lässt sie das Ziel nicht erreichen. Ohne Akku und der Möglichkeit jemanden zu benachrichtigen, strandet M. in einer fremden Stadt, ohne Aufgabe, ohne Fragen.
Verlockend ist der Gedanke unterzutauchen, sich dem realen Leben zu entziehen und ein neues Selbst zu entdecken.

Wird sie den Absprung schaffen?

Ein vielschichtiges, kleines Buch das zwischen Wunsch und Realität changiert und einen Hoffnungsschimmer in eine ungewisse Zukunft aufkommen lässt. 
Eine hochliterarische Auseinandersetzung des russischen Überfalls auf die Ukraine. 

Übersetzung: Olga Radetzkaja
Erschienen bei: @suhrkampverlag

unbezahlt|selbstgekauft

– Meine Katze Jugoslawien –

Pajtim Statovci

-Meine Katze Jugoslawien- von Pajtim Statovci war eines der besten Bücher, die ich 2024 gelesen habe.

Der junge Bekim lebt in Finnland, ist queer, zurückgezogen und isoliert. Seine Familie floh aus dem Kosovo nach Finnland in der Hoffnung auf ein besseres Leben und in Sicherheit vor dem Krieg, der sich gerade angekündigt hat. Doch das neue Zuhause wird nie zur Heimat, denn als Flüchtling wird die Familie diskriminiert, erfährt immer wieder Fremdenhass und Vorurteile. Im Gegensatz zu den vier Kindern, die die neue Sprache schnell beherrschen und sich einfacher an die neuen Begebenheiten anpassen können, kommen Bekims Eltern nicht so leicht im fremden Land an. Dies führt unweigerlich zu Problemen innerhalb der Familie bis sich Eltern und Kinder mit der Zeit entfremden.

Bekim lebt allein, studiert, trifft sich für Sex mit Männern, die er beim Online-Dating klar macht. Obwohl er bildungstechnisch den Absprung schafft, zeigt ihm die Gesellschaft ein ums andere Mal, dass er nie dazugehören wird. Die Ignoranz und Stupidität seinr Mitmenschen widert ihn an, denn in seinen Augen begreifen sie nicht ansatzweise was überall auf der Welt um sie herum für Gräueltaten geschehen. Aus einer Laune heraus beschafft er sich eines Tages eine Schlange, die er frei in der Wohnung umherziehen lässt. Eines Tages trifft er in einer Schwulenbar auf eine sprechende Katze. Sie ist homophob, toxisch und manipulativ. Kurzerhand nimmt er sie jedoch bei sich auf und beginnt eine Beziehung zu ihr.

Rückblende: Im Jugoslawien der 80er Jahre trifft die siebzehnjährige Schönheit Emine auf Bajram, der sie im Vorbeifahren angesprochen hat. Kurze Zeit später, hält er mit Unterstützung seines eigenen Vaters bei Emines Vater um ihre Hand an.

Ihr Verehrer gilt als eine mehr als gute Partie. Er studiert in Pristina und seine Familie ist gut situiert. Während die Männer Emines Zukunft verplanen, weist ihre Mutter sie in die Pflichten einer Ehefrau ein, die nur einen Zweck zu erfüllen hat: dem Mann zu gehorchen, zu dienen und seine Kinder zu gebären.

Alles andere wäre unehrenhaft und würde der Familie Schande bringen.

Schon mit fünfzehn wurde Emine klar, dass ihre Chancen im Leben nicht die Besten sind. Ihre schulischen Leistungen waren gerade ausreichend, sie hat keine herausstechenden Talente und selbst wenn sie über Intellekt und Bildung verfügen würde, wäre das in ihrem Umfeld nicht von Bedeutung, denn dort hatten nur Männer etwas zu sagen. Aus diesem Grund hoffte Emine seit jeher auf einen guten Ehemann. Doch bereits in der Hochzeitsnacht wird Bajram gewalttätig. Um ihren Alltag zu ertragen, verschreibt sie sich ihrer Rolle als tadellose Hausfrau.

Pajtim Statovci hat einen unglaublich wichtigen Roman über Ausgrenzung, Migration und Krieg geschrieben. Es ist wirklich beeindruckend wie er die schweren Begebenheiten von Einsamkeit, Gewalt und Exil auf so berührende Weise zu Papier bringt. Die Bedrohung durch den Krieg im Kosovo, der Hoffnung auf Sicherheit und ein besseres Leben, die Verwundungen durch die Gesellschaft, für die sämtliche Bemühungen nicht zählen, ganz gleich wie gut man arbeitet, die Sprache spricht und sich engagiert.

Es gab so einige Stellen in diesem Buch, die mir die Kehle zuschnürten und bei denen ich Tränen vergossen habe. Den Krieg kenne ich nicht (ein unsägliches Glück so etwas sagen zu können) aber die Erfahrungen von Migranten sind mir so nah, sie gehen mir unter die Haut, weil ich auch eins dieser Kinder bin, die zwischen den Grenzen aufgewachsen sind. Den magischen Realismus und die Symbolik der Katze, die als dreckig und unheilbringend in Bekims Kulturkreis gilt, war zuerst skurril und befremdlich, doch letztendlich habe ich verstanden, dass manche Dämonen einen noch lange heimsuchen und zu ersticken drohen. (Schlange)

Stefan Moster hat hier meiner Meinung ganze Arbeit geleistet mit seiner Übersetzung. Die Gefühle, Gedanken und Ängste von Einwanderern hat er einfühlsam und leicht zugänglich vom Finnischen ins Deutsche transportiert. Bravo!

– Findet mich –

Doris Wirth

Ich freue mich, euch heute mein zugelostes Patenbuch #findetmich von @doriswirthschreibt vorzustellen.
Erschienen im @gepardenverlag ist es sowohl Doris Wirth’ Debütroman als auch eines von zwei Indie-Büchern, die dieses Jahr für den Deutschen @buchpreis nominiert wurden.

“Wahllos greift er nach Klamotten, die gebügelt im Spiegelschrank liegen, und wirft sie in die Reisetasche. Es spielt keine Rolle, was er einpackt. Hemden nützen dir nichts in der freien Wildbahn.”

Familienvater Erwin, ein Mann mittleren Alters, bricht eines Tages aus. Er hat genug, er will nur noch raus. Gesagt getan. Die, denen er wichtig ist, sollen nach ihm suchen, sollen ihn finden.
Frustriert von Job und Familienleben, beschließt er abzuhauen.
Für sein Ego ist es eine Art Schnitzeljagd und die anderen mögen sich seinem Willen fügen, denn in seinen Augen steht ihm dies zu. Er ist ein Macher, seine Familie kann ihm nicht das Wasser reichen. 

Doch was ist, wenn niemand suchen möchte?
Seine Frau Maria nimmt seit Jahren seine herrische und aufbrausende Art stoisch hin. Sie hat sich mit allem arrangiert, auch mit Erwins außerehelichen Abenteuern, die er mit seinen natürlichen Bedürfnissen begründet. Die aggressiven Tiraden von Erwin haben die Familie an ihre Grenzen gebracht. Sohn Lukas betäubt seinen Kummer mit Cannabis und Tochter Florence wird bulemisch. Erwins Ausbrüche werden immer schlimmer, seine Vorwürfe und Beschuldigungen immer verletzender.

Auf der Flucht in die Natur hinterlässt Erwin Brotkrummen. In seiner neu gelebten Freiheit driftet er immer weiter in eine Art Wahnsinn, ohne dass ihm bewusst wird, in welch psychischem Ausnahmezustand er sich befindet und lässt sich vom Größenwahn treiben.

Doris Wirth hat eine spannende Familienchronik geschrieben. Welchen Einfluss haben die Folgen elterlicher Erwartungshaltung gegenüber ihren Kindern in deren Zukunft? Wie sehr prägt uns unser Umfeld und die Gesellschaft, in der wir leben?
In wechselnden Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen setzt die Autorin den Fokus auf patriarchale Strukturen und mentale Gesundheit.
Themen die nicht aktueller sein könnten und denen es sich anzunehmen gilt.

Mit Erwin hatte ich persönlich wenig Mitgefühl. Seine herrische Art und die Annahme sein Umfeld müsste sich seinen Regeln und Wünschen unterordnen haben mich sehr stark gegen ihn aufgebracht. Psychose hin oder her…
Auch Maria und ihre stehts alles ertragende Persönlichkeit ist mir sauer aufgestoßen. Doch wie meinen Follower:innen wohl bekannt ist, müssen Protagonisten für mich nicht unbedingt sympathisch sein.

Es war mir eine große Ehre beim diesjährigen 20. Deutschen Buchpreis als #buchbloggerin teilnehmen zu dürfen und möchte allen #longlist Nominierten nochmals meine Glückwünsche aussprechen. Ich bin wirklich sehr gespannt welche Romane es auf die #shortlist schaffen.

Vielen Dank an Doris Wirth, die sich bereit erklärt hat mir drei Fragen zu Ihrem Debütroman zu beantworten.  Schaut hierfür gerne auf meinem Instagram Profil vorbei: https://www.instagram.com/p/C_3lrfru5C_/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==

#buchpreisbloggen

Patenbuch: Findet mich von Doris Wirth

Ich freue mich, euch heute mein zugelostes Patenbuch #findetmich von @doriswirthschreibt vorzustellen.

Erschienen im @gepardenverlag ist es sowohl Doris Wirth’ Debütroman als auch eines von zwei Indie-Büchern, die dieses Jahr für den Deutschen @buchpreis nominiert wurden.

“Wahllos greift er nach Klamotten, die gebügelt im Spiegelschrank liegen, und wirft sie in die Reisetasche. Es spielt keine Rolle, was er einpackt. Hemden nützen dir nichts in der freien Wildbahn.”

Familienvater Erwin, ein Mann mittleren Alters, bricht eines Tages aus. Er hat genug, er will nur noch raus. Gesagt getan. Die, denen er wichtig ist, sollen nach ihm suchen, sollen ihn finden. Frustriert von Job und Familienleben, beschließt er abzuhauen. Für sein Ego ist es eine Art Schnitzeljagd und die anderen mögen sich seinem Willen fügen, denn in seinen Augen steht ihm dies zu. Schließlich ernährt er die Familie.

Doch was ist, wenn niemand suchen möchte?

Seine Frau Maria nimmt seit Jahren seine herrische und aufbrausende Art stoisch hin. Sie hat sich mit allem arrangiert, auch mit Erwins außerehelichen Abenteuern, die er mit seinen natürlichen Bedürfnissen begründet. Die aggressiven Tiraden von Erwin haben die Familie an ihre Grenzen gebracht. Sohn Lukas betäubt seinen Kummer mit Cannabis und Tochter Florence wird bulemisch. Erwins Ausbrüche werden immer schlimmer, seine Vorwürfe und Beschuldigungen immer verletzender.

Auf der Flucht in die Natur hinterlässt Erwin Brotkrummen. In seiner neu gelebten Freiheit driftet er immer weiter in eine Art Wahnsinn, ohne dass ihm bewusst wird, in welch psychischem Ausnahmezustand er sich befindet und lässt sich vom Größenwahn treiben.

Doris Wirth hat eine spannende Familienchronik geschrieben. Welchen Einfluss haben die Folgen elterlicher Erwartungshaltung gegenüber ihren Kindern in deren Zukunft? Wie sehr prägt uns unser Umfeld und die Gesellschaft, in der wir leben? In wechselnden Perspektiven und auf zwei zeitlichen Ebenen setzt die Autorin den Fokus auf patriarchale Strukturen und mentale Gesundheit.

Themen die nicht aktueller sein könnten und denen es sich anzunehmen gilt.

Mit Erwin hatte ich persönlich wenig Mitgefühl. Seine herrische Art und die Annahme sein Umfeld müsste sich seinen Regeln und Wünschen unterordnen haben mich sehr stark gegen ihn aufgebracht. Psychose hin oder her…Auch Maria und ihre stehts alles ertragende Persönlichkeit ist mir sauer aufgestoßen. Doch wie meinen Follower:innen wohl bekannt ist, müssen Protagonisten für mich nicht unbedingt sympathisch sein.

Es war mir eine große Ehre beim diesjährigen 20. Deutschen Buchpreis als #buchbloggerin teilnehmen  zu dürfen und ich möchte allen #longlist Nominierten nochmals meine Glückwünsche aussprechen. Ich bin wirklich sehr gespannt welche Romane es auf die #shortlist schaffen!

– Cascadia –

Julia Phillips

Die Schwestern Sam und Elena leben auf der Insel San Juan in einem Haus am Rande des Waldes und kümmern sich um ihre pflegedürftige Mutter.

Beide haben sich seit der High School ein Versprechen begeben: Keine Beziehungen bis die Mutter stirbt und im Anschluss beginnen sie ein neues Leben fernab der Insel.

Während Sam auf einer Fähre und Elena in einem High Society Club arbeiten um für die Arztrechnungen und laufenden Kosten gerade so über die Runden zu kommen, versuchen sie der schwerkranken Mutter die verbleidende Zeit so angenehm wie möglich zu machen.

Eines Tages nähert sich ein Bär ihrem Haus und bringt kurzerhand den Alltag der beiden Schwestern stark durcheinander. Seine Präsenz bringt nicht nur die aktuelle Lage in Bewegung sondern bringt auch so manch neue Erkenntnis ans Tageslicht, die sonst im Verborgenen geblieben wäre.

Julia Philips erzählt in -Cascadia- das triste und harte (Über-) Leben zweier Schwestern, die sich teils mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben scheinen und doch vom kurzen Schimmer einer Möglichkeit angetrieben fühlen.

Durch die Ausnahmesituation mit dem Bären wird das Leben der beiden Protagonistinnen stark aufgerüttelt. Die Karten werden neu gemischt.

Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die Lektüre nicht vollends begeistert hat. Im mittleren Teil habe ich mich ziemlich gelangweilt, wohingegen mich im letzten Drittel nochmal die Spannung gepackt hat. Endlich habe ich für mich verständliche Empfindungen und Reaktionen (Sam) lesen können.

Übersetzung: Pociao und Roberto de Hollanda

Erschienen bei: @hanserblau [unbezahlt/ Rezensionsexemplar]

– Das Lied des Propheten –

Paul Lynch

Das Buch der Stunde…

Es handelt davon, wie ein rechtes, totalitäres Regime die Macht über Irland an sich reisst.

Die Geschichte beginnt in Dublin. Hier lebt Eilish mit ihrem Ehemann Larry und den vier gemeinsamen Kindern. Eines abends kommen zwei Beamte des Garda National Services Bureau um Larry, den örtlichen Gewerkschaftsvorsitzenden, zu verhaften.

Eilish glaubt zunächst an ein Missverständnis und dass sich alles schnell aufklären lässt, doch dem ist nicht so. Seither fehlt von Larry jegliche Spur. Ihre Nachfragen bei den Behörden bleiben unbeantwortet.

Mit Aufstieg des Regime formiert sich aber auch Widerstand. Die Rebellion versucht die NAP aufzuhalten und es entbrennt ein blutiger Bürgerkrieg, in dem Lebensmittelknappheit, fehlende medizinische Versorgung und Wasser zum Alltag werden.

Alle Bürger müssen sich Ausgangssperren, ständige Kontrollen und Behördenwillkür unterordnen.

In seinen hellen Momenten rät Eilish’ dementer Vater seiner Tochter, dass sie die Kinder nehmen und ins Ausland flüchten soll, doch Eilish zögert.

Was wenn Larry nach Hause kommt oder Sohn Mark sich meldet, der sich mittlerweile den Rebellen angeschlossen hat?!

Paul Lynch hat ein unglaublich fesselndes und beunruhigend, beklemmendes Buch geschrieben. Angesichts der rechtspopulistischen Entwicklungen überall auf der Welt, kommt man nicht umhin das kräftezehrende Gelesene auf die Gegenwart zu projizieren. 

Wer hier noch schmunzelt und alles auf die Vorstellungskraft eines Autors schieben möchte, sollte gewarnt sein.

Nie war unser Frieden (wo er noch besteht) und die Demokratie fragiler.

Anfangs fand ich den Schreibstil gewöhnungsbedürftig, vor allem weil Dialoge nicht als diese gekennzeichnet waren. Nichtsdestotrotz bleibt einem kaum ein Moment der Ruhe. Vielmehr verfolgt man atemlos, wie die Protagonistin Eilish, gehetzt das Geschehen und bleibt mit einem Knoten im Magen zurück — so stark sind die Bilder, die diese Lektüre hinterlässt.

Die Geschehnisse durch die Augen der Mutter zu erleben, haben mich erschüttert aber auch ziemlich aufgebracht. Persönlich habe ich mich sehr sehr stark von Eilish teils naivem Verständnis der Situation und ihrer Passivität provoziert gefühlt. Dies liegt vermutlich in meinem Naturell, welches ihrem in großen Teilen völlig entgegen steht.

Übersetzung: Eike Schönfeld

Erschienen bei: Klett Cotta Verlag (Unbezahlt/ selbstgekauft)