Mit Nova – Aufbruch in die Wildnis hatten wir ein kurzweiliges Abenteuer. Nova, eine junge Hauskatze, fühlt sich bei ihrem Menschen Ma Millie wollig wohl. Im warmen Haus, abgeschieden von jeglicher Hektik und Gefahren, verbringen sie schöne Tage. Doch als die betagte Dame immer mehr hustet und mit jedem Tag schwächer wird, beschließt Nova Hilfe zu holen.
Der Nachbar Jacob Levan, der ab und zu auf einen Besuch vorbeikommt, ist der Einzige der Nova erkennen würde und sie würde so lange miauen bis er zur Rettung eilt. Doch der Weg und die Fremde können einschüchternd sein und so muss Nova Mut beweisen und über ihren Schatten springen. Als Jacob nicht anzutreffen ist und laut seiner Kühe in der Stadt vermutet wird, schließt Nova einen Pakt mit der Füchsin. Sie soll ihre Führerin sein und im Gegenzug wird Nova sie in Zukunft mit Proviant versorgen. Sie müssen den Weg durch den Wald bestreiten und immer ist ihnen jemand bedrohliches dicht auf den Fersen…
Ein sehr spannender Abenteuerroman, der mit Herz eine tolle Geschichte erzählt. Die Girls waren so begeistert, dass sie total traurig waren als das Buch zu Ende war. Ihr kennt das Gefühl – wenn das Buch noch ewig weitergehen könnte. Genauso ging es den Mädchen.
„Meine Geschichte ist eine ganz gewöhnliche. Das sind alle unsere Geschichten. Und sie wiederholt sich, jetzt in diesem Moment und in schlimmeren Versionen, und das wird nicht aufhören, bevor uns nicht allen klar wird, dass -Schlampe-, genau wie -Hexe-, ein von Männern erfundenes Wort ist, um Frauen weiterhin in der Hand zu haben und von ihren Diensten zu profitieren. Hass und Angst vor weiblicher Sexualität sind ein grundlegender Bestandteil der Zivilisation, wie wir sie kennen, und Schlampen sind meistens Frauen, die die patriarchalen und von weißer Vorherrschaft geprägten kolonialen Herrschaftssysteme bedrohen.“
Das für mich mit Abstand beste Buch zum Thema Ausbeutung der Frau, der Konditionierung von Mädchen und Frauen dahingehend gefügig zu sein, unkompliziert aber nicht zu leicht, von Beginn an von außen bewertet zu werden und sich aber nicht so anstellen sollen. Als Frau ist der Inhalt nichts Neues zu lesen, denn diese Erfahrungen haben wir alle gemacht. Das ist die bittere Wahrheit. Ich weiß was ich erlebt habe, ich weiß was meine Freundinnen erlebt haben, was Frauen weltweit erleben kann man in den Medien oder in Büchern nachlesen. Das ist Realität. Ein starkes Buch im Kampf gegen die Ausbeutung durch Männer und patriarchale Strukturen.
Thank you @melissafebos for writing this book. It contains a powerful message.
Danke an @kjonaverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Selbst 20 Jahre nach dem Unfalltod ihres Mannes Claude, stellt sich Brigitte diese Fragen.
Das Paar stand kurz vor dem Umzug in ihr Traumhaus, welches sie gemeinsam auf Brigittes Wunsch hin gekauft haben.
Doch der Traum zerplatzt, als Claude mit dem Motorrad tödlich verunglückt. Brigitte zieht mit ihrem Sohn in das Haus, begleitet von Schuldgefühlen und der Frage nach dem Warum.
In -schnell leben- nimmt sie alle Begebenheiten auseinander und seziert jede Entscheidung, spielt jede Möglichkeit durch, wie das Unglück hätte verhindert werden können.
“Nach dieser irrsinnigen Überfahrt, auf der dein Sturz alle denkbaren Arten zu fallen nach sich gezogen hat. Alle denkbaren Arten wieder aufzustehen. Alle denkbaren Arten sich wiederzufinden. Es hat so viele Zeichen gegeben, so viele Zufälle, so viele heimliche Begegnungen. Unmittelbares, besser verschwiegenes Leben. Da gab es das Gefühl, dass du mit mir verschmilzt. Dass ich Mann und Frau zugleich wurde.”
Brigitte Giraud hat ein Buch über -das Danach- geschrieben. Wie kann es weitergehen und wie kann man weitermachen nach einem tragischen Verlust. Eine Versöhnung mit dem eigenen Schicksal und dem Versuch Trost für unbeantwortbare Fragen zu finden.
Übersetzung aus dem Französischen: Michael Kleeberg
Grundeigentümerin eines Hufnerhauses in den Hamburger Marschlanden
Gegenwart: Dr. Britta Stoever
Ehemalige Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Geographie, Universität Hamburg. Kürzlich in ein Haus in die Marschlanden gezogen
Das Buch spielt zwar auf zwei Zeitebenen, jedoch kämpfen beide Frauen mit den gleichen Problemen. Sie müssen sich in einer für Männer gemachten Welt durchschlagen.
Britta ist verheiratet, arbeitet seit Jahren nur noch in Teilzeit um sich besser um Kinder und Haushalt kümmern zu können, während ihr Ehemann Philipp seiner Karriere nachgeht. Als sie damals mit ihrer Tochter schwanger wurde, hätte sie niemals gedacht, dass ihre eigene Karriere einen Knick erleiden würde. Sie wollte alles ganz anders zu machen als „diese“ Frauen, die nach der Geburt zum Hausmütterchen mutieren.
Rückblickend verzweifelt sie an ihrer eigenen Naivität, an ihren Entscheidungen in der Vergangenheit und an dem Verhalten ihres Mannes, der sich immer darauf ausgeruht hat, dass sie jegliche häusliche Verpflichtungen und die Kindererziehung übernimmt, während er weiterhin ambitioniert im Berufsleben steht. Kürzlich sind sie auch seinetwegen in den Hamburger Marschlanden in eines der Gutshäuser gezogen. Es war immer sein Traum.
Doch sowohl Britta als auch die Kinder finden schwer in die neue Gegend. Mit dem Haus kann sie bisher auch nicht warm werden. Bei einem ihrer täglichen Spaziergänge stößt sie auf den Namen Abelke Bleken. Vom ersten Augenblick an übt diese Frau aus lang vergangenen Zeiten eine Faszination auf Britta aus.
Sie beginnt in ihrer Freizeit mit Nachforschungen über diese faszinierende Frau.
Abelke Bleken stammt aus einer Hufnerfamilie, deren großer Hof in den Marschlanden liegt. Sie hat lange Zeit auf die Rückkehr ihres Geliebten gewartet, seither jeden anderen Bewerber abgewiesen doch letztendlich hat sie die Hoffnung aufgegeben, dass der Mann zur ihr zurückkommt. Die Gründe hierfür bleiben offen. Für das 16. Jahrhundert ist Abelke ihrer Zeit ziemlich weit voraus. Als selbständige, lebenskluge und tüchtige Frau bestellt sie ihren Hof allein, nur mit Hilfe ihrer Arbeiter, den Mägden und unter vielen Entbehrungen steht sie dennoch mitten im Leben. Der Gutshof läuft relativ gut.
Die große Allerheiligenflut in 1570 die die Gegend überschwemmt ändert alles und da der Deich beschädigt wurde, liegt es in der Pflicht eines jeden Hufnerbetriebes, den Deich schnellstmöglich zu reparieren, da sonst nach geltendem Recht die Gefahr besteht, seinen Grundbesitz zu verlieren. Da Abelke wegen ihres Lebenswandels besonders von den Männern kritisch beäugt und hinter vorgehaltener Hand von den anderen Einheimischen beleidigt wird, sehen hier einige Männer ihre Chance gekommen sich einen Vorteil durch Abelkes Not zu verschaffen. So werden ihr übliche Hilfen durch Deicharbeiter verwehrt, Fristen sehr kurz gehalten und von der Dorfbevölkerung als gefallene Frau und Hexe denunziert, was letztendlich die Inquisitoren ins Dorf führt.
Abelke wird der Prozess gemacht.
Jarka Kubsova hat diesen unglaublich fesselnden Roman geschrieben, der mich von der ersten Seite an abgeholt hat. Die Dialoge und Probleme zwischen Britta und Philipp in der Gegenwart waren mir so dermaßen vertraut – viel zu oft hat man das schon gelesen, gehört und erlebt. Und ich dachte mir wieder einmal: Wir sind so viele. Es geht so vielen von uns genauso.
Das harte, entbehrungsreiche Leben Abelkes, die dennoch erhobenen Hauptes ihre Frau steht und dann wird ihr ein ums andere Mal durch Männer eine so große Ungerechtigkeit zuteil, dass es nur noch schmerzt.
Ich fühlte mich ohnmächtig, traurig und war regelrecht empört, weil sich das Schicksal von Frauen immer wieder zu wiederholen scheint, Veränderungen viel zu langsam geschehen und es immer noch so viele Männer gibt, die uns diese Erfahrungen absprechen.
Ein großes Highlight für mich!
Vielen Dank an @jarka_kubsova und auch an @s.fischer für die Möglichkeit es vorab zu lesen.
“Sarajevo kam mir vor wie ein schwarzer Wald, der Tod als ein Jäger, und ich fühlte zum ersten Mal das, was ich erst Jahre später, in Deutschland, in Worte zu fassen schaffte: Ich fühlte, dass zu leben vor allem bedeutete, Grauen auszuhalten.”
Tijan Silas Geschichte habe ich heute am Sonntag Morgen beim Kaffee in einem Zug verschlungen.
Es ist die Geschichte seiner Kindheit, als im Jahr 1992 der Krieg in Bosnien beginnt. Tijan ist gerade mal 10 Jahre alt und sein bisheriger Alltag ist nun Vergangenheit. Ab jetzt hört man Explosionen und Schüsse während sich unten in den Schutzkellern das Schweigen breit macht. Schule gibt es erstmal nicht mehr, stattdessen steht das Umherstreifen in den Ruinen auf der Suche um potentielle Tauschwaren wie Zigaretten oder Pornohefte für den Schwarzmarkt auf dem Programm.
“Erst in Deutschland lernte ich, dass Verzweiflung eins jener Gefühle ist, die unendlich wachsen können, genau wie Liebe oder Hass.”
Nach zwei Jahren Krieg flüchtet Tijan mit den Eltern und dem kleinen Bruder nach Deutschland. Dort fällt es ihm selbstverständlich anfangs nicht leicht in die neue, friedliche Realität zu finden.
-Radio Sarajevo- hat mich sooft durchgeschüttelt und bereits während des Lesens viele meiner Gedanken verknüpft. Die Verrohung und der Verlust der Menschlichkeit, die mit Krieg einhergeht und wie Kinder in so einem Umfeld aufwachsen haben mich stark mitgenommen. Es wurde sowohl an der Front, als auch in Tijans Plattenbausiedlung gekämpft. Keine Heizung, kein Essen, dafür Angst vor Kugeln oder vor der nächsten Tracht Prügel der Eltern. Wenn Kriege die Erwachsenen aufs Schlimmste zeichnet, was verursacht es dann bei Kinderseelen? Tijan Sila setzt hier den Fokus und schreibt über diese unaussprechlichen Erfahrungen.
Ich habe mich an eine Mitschülerin von mir erinnert. Ihre Familie floh ebenfalls vor dem Bosnienkrieg. Ich fand sie immer etwas seltsam, wie sie so dasaß. Jetzt wird mir klar, was sie alles gesehen haben muss. Etwas, was ich damals nicht einordnen konnte, das mich aber jetzt umso mehr mitnimmt. Oder an einen späteren Arbeitskollegen, der sehr loyal war, aber irgendwie auch ein wenig gaunerhaft. Normalerweise war er ein sehr lustiger, humorvoller Mensch, doch wenn er unbeobachtet bei einer Zigarette vor der Tür stand, sah er auf seltsame Weise abgekämpft und erschöpft aus. Auch er war eines dieser Kriegskinder.
Ein wichtiges Buch um die Vergessenen in Erinnerung zu behalten.
Simon steht gerade in einer Kirche Finnlands und spielt Bartóks Solosonate für Violine, als der dritte und der vierte Finger seiner linken Hand ihren Dienst versagen. Es ist der Albtraum eines jeden Musikers. Ihm bleibt nichts anderes übrig als den Auftritt abzubrechen. Er flüchtet in die Sakristei. Die Sommertournee kann er unmöglich fortführen. Er ist nicht mehr Herr seiner Hand. Geistesgegenwärtig eilt Kollegin Mai ihm zu Hilfe. Sie hat die Situation sofort erfasst und nimmt Simon inklusive der Violine mit in ihre Hütte auf einer abgelegenen Schäreninsel.
Hier soll Simon den Schock verdauen, zu Kräften kommen und sich mit der neuen Situation auseinandersetzen.
„Was bringt mein Gehirn dazu, dasjenige abzustoßen, das der gesamte Inhalt meines Lebens ist? Nie habe ich etwas anderes ernsthaft getan. Das Spielen, das bin ich.“
In den ersten Tagen bewegt sich Simon in der fremden, einsamen Umgebung wie betäubt. Eigentlich war ihm klar, was geschieht. Schon früher hatte er immer wieder Schmerzen. Er wusste was sie bedeuten. Die Geige hat er in ihrem Kasten auf einem der Schlafplätze zur Ruhe gebettet. Auch wenn er ihre Nähe braucht und sucht, so hält er vorsichtig Abstand. Auf einem der Terrassenstühle nistet ein Möwenpaar. Täglich verfolgt Simon deren Routinen und Brutbemühungen. Die Vögel und er leben nebeneinander in gegenseitiger Akzeptanz. Um seine Gedanken zu sortieren und sich den Kummer von der Seele zu reden, schreibt er an Violinistin Darja.
„Am liebsten würde ich die Geige nehmen und dir meine Verzweiflung vorspielen, dann würdest du hören, welcher Art sie ist. Sie gleicht nicht der Trauer, die alles in den Schatten stellt, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist, sie kommt nicht daher, dass man jemanden verliert, sondern entspringt dem Gefühl, die eigenen Proportionen verloren zu haben. Nicht bloß klein zu sein, sondern nichtig. Als wäre ich gar nicht mehr da. Was jedoch nicht stimmt. Da ist noch einer. Aber bin das noch ich?”
Schon bei Schülerwettbewerben war Darjas überragendes Talent und Simon wusste von Beginn an, dass er ihre Größe niemals erreichen kann. Diese Erkenntnis hat ihn aber niemals verbittern lassen. Vielmehr verfolgt und bewundert er seit Jahren Darjas Karriere aus der Ferne. In Abständen kommt Mai mit Lebensmitteln und Frischwasser. Obwohl Simon nur eine oder zwei Wochen bleiben wollte um den Kopf klar zu bekommen, werden es mehrere Wochen. Er ist noch nicht soweit die neuen Voraussetzungen zu akzeptieren. Noch hat er nicht die Antwort darauf gefunden, wie er weitermachen oder besser gesagt weiterleben kann.
„Bevor ich auf diese Insel gekommen bin, hat es keinen Tag gegeben, an dem ich das Instrument nicht in den Händen gehalten habe. Jetzt muss mein Körper eine neue Haltung finden. Meine Hände müssen neue Griffe lernen. Die Stunden, die dem Üben gehört haben, müssen ohne Instrument gefüllt werden.“
Schon als ich auf der Leipziger Buchmesse am Stand vom Mare Verlag über die Vorschau auf dieses Buch aufmerksam wurde, überkam mich das Gefühl, dass es ein großartiges sein muss. Ich spürte das Verlangen es unbedingt lesen zu müssen. Was für ein sensibler, melancholischer Roman. Stefan Moster schreibt darüber wie unglaublich niederschmetternd und schmerzhaft es ist, wenn ein Mensch seinen gesamten Lebensinhalt und seine Identität verliert. Selbst wenn man weder musikalisch ist, noch mit Bach oder Ravel etwas anzufangen weiß, so transportiert Moster die unerbittliche Tragik mit unglaublicher Präzision. Dies ist ein Buch welches mit noch sehr lange begleiten wird.
Danke an @mareverlag [unbezahlte Werbung/ Rezensionsexemplar]
Erstmals ist dieses literarische Goldstück auf Deutsch erschienen.
Wer Toni Morrison nicht kennt (sehr bedauerlich und schnellstmöglich zu ändern ) sollte auf jeden Fall -Rezitiv- zur Hand nehmen.
Es ist praktisch die Quintessenz ihres gesamten literarischen Schaffens.
Die Erzählung handelt von Twyla und Roberta, zwei Mädchen unterschiedlicher Hautfarbe, die sich in einem Kinderheim kennenlernen. Beide wurden von ihren Müttern weggeholt. Während Robertas Mutter krank ist, tanzt Twylas Mutter gern die Nächte hindurch. Ihre Hautfarben unterscheiden sich, aber nicht ihre Lebensumstände.
Die beiden Mädchen teilen sich ein Zimmer und verbünden sich im Alltag. Nach einem halben Jahr verlässt Roberta das Heim. Jahre später begegnen sich die beiden immer wieder und diese Treffen bringen ein ums andere Mal einen gewissen Groll zwischen beiden auf.
Ich möchte nicht vorgreifen, aber möchte dieses brillante Stück Arbeit wärmstes empfehlen. Toni Morrison führt uns fantastisch an der Nase herum mit unseren Vorurteilen und Zuschreibungen indem sie andeutet, wegstreicht und abändert wer nun Twyla und wer Roberta ist. Denn obwohl sie über Äußerlichkeiten wie Haare und Haut erzählt, erfahren wir Leser:innen zu keinem Zeitpunkt welches der Mädchen weiß oder Schwarz ist.
Und damit hält sie uns den Spiegel mit all unserem Schubladendenken vor. Grandios!