– Kostbare Tage –

Kent Haruf

Ich habe „Kostbare Tage“ so sehr entgegen gefiebert und habe es gleich nach Erscheinen bestellt.

Haruf nimmt uns wieder mit nach Holt, einer Kleinstadt im Herzen von Colorado.

Und es ist wie -nach Hause kommen- für alle Kent Haruf Fans.

Erzählt wird die Geschichte von Dad Lewis und seiner Familie. Schwer krank lässt er nochmals sein Leben Revue passieren, denkt an gute und schlechte Zeiten, die schwierige Beziehung zu seinem Sohn Frank, zu dem seit vielen Jahren kein Kontakt mehr besteht.

In der ihm noch verbleibenden Zeit wird er liebevoll von seiner Frau Mary und seiner Tochter Lorraine gepflegt.

Aber auch andere Bewohner von Holt werden näher beleuchtet. Wie die kleine Alice, die nebenan bei ihrer Großmutter Berta May lebt oder der neue Reverend Lyle, der frischen Wind und neue Gedanken in die Gemeinde bringen möchte und das mit mehr oder weniger Erfolg.

Der Autor lädt uns in diesem wundervollen Roman dazu ein, Dad Lewis auf seinem letzten Weg zu begleiten. Unaufgeregt, ruhig und sensibel erzählt er wieder einmal eine fabelhafte Geschichte über Menschen, die man so sehr ins Herz schließt, dass man sie gar nicht verlassen möchte.

Ganz große Liebe! Leider verstarb Kent Haruf 2014 und so muss ich mich schweren Herzens damit abfinden, dass es nicht mehr dieser fabelhaften Romane geben wird.

In letzter Zeit werde ich von meinem privaten Umfeld häufig um Lesetipps gebeten. Mein erster Satz: Alles von Kent Haruf.

– Der unsichtbare Garten –

Karine Lambert

Wenn er es sich aussuchen müsste…geburtsblind oder späteres Erblinden?

Diese und viele andere Fragen stellt sich Vincent, 35 Jahre, Tennislehrer, Diagnose Lebersche Optikusatrophie.

Kurze Zeit nachdem ihm die Ärztin sein Schicksal über den seltenen Gendefekt offenbart hat, erblindet er.

Von der Situation überfordert, sein bisheriges Leben mit einem Schlag wie weggewischt und seiner Zukunftspläne beraubt, zieht sich Vincent in das Haus seines verstorbenen Großvaters zurück.

Coline, die Nachbarin, ist eine der wenigen, die ihn in seiner Verzweiflung und der Krise unterstützt. Sie hilft ihm sein neues Leben zu gestalten und das obwohl auch sie allerlei Ballast mit sich herumträgt.

Eine zarte und sanfte Erzählweise, die Karine Lambert hier verwendet. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und man kommt in einem Rutsch durch.

Ernste Anklänge die leicht daherkommen.

Ein gutes Buch für zwischendurch.

– Post für den Tiger –

Janosch – BELTZ&Gelberg

Wie der kleine Tiger und der kleine Bär die Post erfanden…

Für alle Fans von Janosch und die, die es werden wollen, ist dieses Buch einfach ein #musthave

Immer wenn der kleine Bär zu Angeln geht, fühlt sich der kleine Tiger so einsam. Deshalb bittet er ihn: „Schreib mir doch mal einen Brief!“ …so nimmt die Geschichte ihren Anfang.

Eine ganz tolle Geschichte mit lieben Dialogen und ganz wunderbar illustriert.

Ich habe auf YouTube die passende Folge gefunden und es den Mädchen vorgespielt – sie waren ganz aus dem Häuschen, weil sie die Geschichte aus dem Buch kannten.

– Ein Lied für die Vermissten –

Pierre Jarawan

Ich bin soeben mit „Ein Lied für die Vermissten“ fertig geworden und komme gleich zur Sache.

Die Geschichte dreht sich um Amin, der seine Erinnerungen daran niederschreibt, wie er als  Jugendlicher mit seiner Großmutter Deutschland verlässt und in den Libanon zurückkehrt. Seine Eltern sind bereits seit langer Zeit verstorben (12 Jahre) und so muss er sich in einem Land zurechtfinden, welches immer noch mit den Spuren des Krieges und den damit verbundenen Geschehnissen kämpft und lebt.

Pierre Jarawan schlägt schon mit den ersten Sätzen eine so poetische, bilderreiche Sprache an, dass es fast unmöglich ist, sich dieser zu entziehen.

Die Straßen Beiruts, das Leben in der Nachkriegswelt, sowohl die Lebensfreude als auch stille Verzweiflung der Menschen…all das hat mich wirklich mitgerissen und in meinen Gedanken Orte und Begegnungen gebildet, die von Sehnsüchten, Heimat und Freundschaft erzählen.

Ein ganz wunderbar melancholischer Roman, der Fiktion und wahre Begebenheiten miteinander verknüpft.

– Die Kunst des Feldspiels –

Chad Harbach

Was soll ich sagen…es ist fabelhaft.

Die Geschichte dreht sich um den aus der Provinz stammenden Henry Skrimshander, der ein absolutes Ausnahmetalent im Baseball ist. Nichts scheint seiner Profilaufbahn im Weg zu stehen, als er sein Studium am Westish College beginnt und in dessen Mannschaft sein Können immer weiter ausbaut.

Doch dann passiert das Unvorstellbare. Ein Routinewurf geht daneben und das Drama nimmt seinen Lauf. Von nun an kämpft Henry mit Selbstzweifeln und Depressionen.

Nicht nur sein Leben gerät völlig aus den Fugen, sondern auch das vier anderer Figuren, deren Schicksale mit Henrys verwoben sind. Mike, Owen, Rektor Affenlight und seine Tochter Pella – auch ihre Welt wird auf den Kopf gestellt und alle versuchen ihren eigenen Weg zu finden.

Der Roman lässt sich sehr leicht lesen und es macht richtig Spaß. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich unbedingt weiterkommen wollte um zu erfahren, was als Nächstes geschehen wird.

Die Menschen in „Die Kunst des Feldspiels“ sind mir richtig ans Herz gewachsen (insbesondere Affenlight) und am Ende habe ich Tränen vergossen. 

Ein tolles Debüt von Chad Harbach. Absolute Leseempfehlung!

– Quappi –

Benji Davies

Klappentext: Im großen Teich wohnen viele Kaulquappen. Quappi ist die kleinste unter ihnen. Aber solange sie alle zusammen sind, kann ihnen nicht mal Großmaul, der Riesenfisch, gefährlich werden. Doch sie werden immer weniger – und schließlich ist Quappi ganz allein. Bis eines Tages etwas Wundervolles passiert.

Ein ganz wundervolles Buch, welches die Entwicklung von der Kaulquappe zum Frosch mit bunten, liebevollen Illustrationen erklärt.

– Die Schauspielerin –

Anne Enright

Mit diesem Roman habe ich mich sehr schwer getan.

Ich habe von anderen viel Gutes gehört darüber, aber mich persönlich hat das Buch nicht abgeholt.

In „Die Schauspielerin“ schreibt Anne Enright hier die Geschichte von Norah, die die Biografie ihrer Mutter Katherine O’Dell niederschreibt. 

 Einst eine gefragte Schauspielerin im alten Hollywood und nun in Vergessenheit geraten.

Der Stil hat mir gut gefallen und es gab sowohl bewegende als auch schockierende Momente, doch hatte ich eher das Gefühl etwas „abzuarbeiten“.

Ich habe einfach keinen Bezug zu den Figuren und konnte keine Verbindung zu ihnen finden.

Es ist aber gut möglich, dass das Buch auf andere Leser völlig anders wirkt und diese emotional besser erreicht.

Meine Empfehlung – einfach selbst lesen und ein eigenes Urteil fällen.