– Der silberne Elefant –

Jemma Wayne

Ein Debütroman, der mich mit Skepsis zurücklässt.

Jemma Wayne schreibt in „Der silberne Elefant“ über drei Frauen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und mit ihrer Vergangenheit hadern.

Der Autorin gelingt es Emotionen geschickt zu transportieren, sodass der Roman eine Sogwirkung erzielt. Das ergibt einen schönen Lesefluss, der einen von Kapitel zu Kapitel bringt.

Es geht um Emily, einer Überlebenden des Genozids an den Tutsi in Ruanda, die aus ihrem Dorf vor den Hutu flüchten konnte.

Emily, die eigentlich Emilienne heißt, schult zur Pflegekraft um und übernimmt die Pflege der schwer krebskranken Lynn, die nur noch wenig Zeit hat.

Lynn, die ihr ganzes Leben der Familie gewidmet hat und sich ihre eigenen Lebensträume wegen der täglichen Verpflichtungen nicht erfüllen konnte, ist mittlerweile stark verbittert und lässt dies ihr komplettes Umfeld spüren. Insbesondere Vera muss sehr viel einstecken.

Parallel dazu erfahren wir die Geschichte von Vera. Eine junge Frau, die an den Geheimnissen ihrer Vergangenheit zu zerbrechen droht. Sie ist mit Luke verlobt, dem Sohn von Lynn, der sich stark den christlichen Werten verschrieben hat und sein Leben streng nach der Bibel ausrichtet. Vera fürchtet sich ihrem konservativen Verlobten anzuvertrauen.

Obwohl die Autorin ein gutes Gespür zu haben scheint, den Leser an ihre Geschichte zu fesseln, gibt es einiges das ich schwer ignorieren kann.

Viele Handlungen der Protagonisten bleiben mir ein Rätsel. Zum Beispiel Lynn, die ihren Mann in jungen Jahren verloren hat, hätte ihr Leben nochmal neu gestalten können. Genauso Vera, deren Entscheidungen oft nicht nachvollziehbar sind.

Es gibt so viele Momente in diesem Buch, die einen dermaßen unreflektierten Umgang mit Trauma-Opfern und psychotherapeutischer Arbeit aufzeigen.

Von der klischeehaften Beschreibung des homosexuellen John (Lynns anderer Sohn) bis zu kitschigen Messen in der örtlichen Erweckungskirche.

Ebenso entstand für mich der Eindruck, die historischen Fakten des Genozids in Ruanda wurden hier nur als Mittel zum Zweck verwendet, um irgendeine Verbindung zwischen den Figuren herzustellen.

Insbesondere die übergriffige Lynn zeigt mehr als einmal offenes „White savior“ Verhalten, welches in einem schon unverschämten Vergleich mit Emilys Mutter gipfelt, die sich für ihre Tochter geopfert hat!

Dies bewirkt letztendlich das, was sich die rassismuskritischen Leser*innen bereits mehrfach während des Lesens gedacht haben: Dieses Buch hat eine Weiße geschrieben.

Das soll nicht bedeuten, Weiße dürften keine Bücher über Schwarze schreiben. Aber dann doch bitte sensibler und mit Hinblick auf die nach wie vor aktuelle Debatte auch durchdachter.

Es mag dazu anstoßen, dass Leser*innen auf die Geschichte Ruandas aufmerksam werden, doch bleibt zu hoffen, dass diese sich im weiteren Verlauf dann aufgeklärtere Quellen zur Informationsbeschaffung suchen.

Hier kann ich keine Empfehlung aussprechen.

Veröffentlicht von booksandtwins

Books/ Twinmom/ Reader/ Writer There's just parts of me that you can't have. No-one can.

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