Jakub Małecki

-Beben in uns- ist der dritte Roman von Jakub Małecki, der ins Deutsche übersetzt wurde.
Vielen Dank an Christian vom @secession_verlag der mir auf der #fbm 2024 ein Exemplar in die Hand gedrückt hat.
Die Handlung beginnt im ländlichen, armen Polen während des zweiten Weltkriegs. Der junge Jan Łabendowicz wurde bei der Zwangsaussiedlung rein zufällig vergessen und gemeinsam mit Irena der Deutschen Frau Eberl zugewiesen, für die er nun arbeiten muss.
Als nach einigen Jahren die Rote Armee anrückt und Frau Eberl flüchten muss, verweigert Janek ihr seine Hilfe, weshalb seine ehemalige Arbeitgeberin ihn und seine Familie verflucht. Daraufhin kommt das nächste Kind Wiktor mit Albinismus zur Welt. Für die abergläubischen Mitbürger im Dorf wird Wiktusz fortan zum Hassobjekt, ihm wird für allerlei Unglücke die Schuld zugeschoben und ein ums andere Mal wird er von anderen verprügelt und beleidigt.
Seine Schuld und Gedanken an Frau Eberl werden Janek sein gesamtes Leben belasten.
Bronek Gelda wird von einer Roma verflucht, weil er ihre Kunst des Vorhersagens als Humbug abtut und sie beschimpft. Als seine sechsjährige Tochter Emilia durch eine Explosion schwer verbrannt und am ganzen Körper von Narben entstellt wird, versucht Bronek die Roma zu finden um so den Fluch zu brechen.
So ist es nicht verwunderlich, dass die beiden vom Schicksal gebeutelten Emilia und Wiktor ein Paar werden. Doch auch ihr gemeinsames Leben wird von Umständen beherrscht, denen scheinbar nicht zu entkommen ist.
Jakub Małecki verwebt die Geschichten zweier einfacher Familien vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und politischer Wendungen.
Für mich hat er hier die polnische Mentalität, deren Fähigkeit es ist, die widrigsten, dunkelsten Stunden zu ertragen, zu überstehen und weiterzumachen, sehr gekonnt eingefangen. Trotz aller Tragik liegt es in der polnischen Natur eine Art zynischen Galgenhumor beizubehalten und auch diese feinen Noten lassen sich immer wieder in dieser oft düsteren Lektüre finden. Insbesondere diese Feinfühligkeit hat mir ein nostalgisches Lesevergnügen beschert.
Übersetzung: Joanna Manc