V.V. Ganeshananthan

-Der brennende Garten- von V.V. Ganeshananthan spielt vor dem Hintergrund des sri-lankischen Bürgerkriegs und folgt über mehrere Jahre dem Leben von Sashi, einer jungen Tamilin und ihrer Familie. Der Roman setzt in den 80er Jahren ein, als politische Spannungen und die Gewalt gegen die ethnische Minderheit der Tamilen zunehmend den Alltag prägen.
Sashi wächst mit ihren vier Brüdern Niranjan, Dayalan, Seelan und Aran in einer gebildeten, vergleichsweise privilegierten Familie auf. Die Eltern legen großen Wert auf Bildung und versuchen trotz der erschwerten politischen Lage ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen.
Doch der Krieg dringt unaufhaltsam in das Familienleben ein, was dazu führt, dass sich Dayalan und Seelan dazu entschlossen haben, sich den bewaffneten “Tamil Tigers” anzuschließen. Sashi versucht weiter ihren eigenen Weg zu gehen und nimmt ihr Medizinstudium auf. Während der Zeit auf dem Campus und durch den Kontakt mit anderen Student:innen sowie der Professorin Anjali, die eine Mentorin und Freundin Sashis wird, beginnt sie die Geschehnisse aus anderen Perspektiven zu betrachten und für sich einzuordnen. Schließlich wird sie von den Tamil Tigers “rekrutiert” in dem sie sie trotz laufendem Studium als Ärztin in einem Lazarett praktizieren lassen. Dadurch erlebt Sashi hautnah und aus nächster Nähe mit, wie medizinische Neutralität in einem politisierten Konflikt zunehmend unmöglich wird.
“Das Böse hält sich nicht an die Grenzen deiner Vorstellungskraft.”
-Der brennende Garten- ist ein unglaublich packender, mitreissender Roman, der sich mit den Strukturen von Regierungen und Armeen, sowie den internen Machtkämpfen diverser tamilischer Widerstandsgruppen beschäftigt. Die Autorin zeigt, wie politische Ideale mehr als einmal manipuliert werden, Gewalt fast schon zur Norm wird und sich Loyalitäten verschieben. V.V. Ganeshananthan macht Zeile für Zeile deutlich, dass Krieg nicht klar definiert zwischen zwei Fronten abläuft, sondern innerhalb von Familien, Gemeinschaften, durchgehend persönliche Gewissensentscheidungen und Opfer einfordert.
„Ich wollte mich hinlegen, neben ihn, und einschlafen, nicht mit ihm, nicht, weil ich seinen Streik unterstützte, sondern einfach nur, weil ich bei ihm sein wollte. Wir waren zusammen aufgewachsen. Verabschiede dich acht Tage lang von morgens bis abends von einem Menschen, und du weißt, was ich meine. Tu es in der Öffentlichkeit, wo du nicht anders kannst, als vor der Demütigung zu weinen, und du weißt, was ich meine. Tu es, ohne zu sagen, was du eigentlich sagen willst, und du weißt, was ich meine.”
Ich habe Sashi atemlos begleitet in ihrem Schmerz und der Trauer, den Schuldgefühlen und Gewissensbissen. Der Krieg hat ihr alles abverlangt, hat sie durchgehend auf ihrem Lebensweg geprägt und man spürte wie stark ihre Ernüchterung gegenüber allen Seiten des Konflikts geworden ist.
Übersetzung: Sophie Zeitz / Erschienen im: @tropenverlag
[selbstgekauft]