Rebecca F. Kuang

Für mich war -Yellowface- von Rebecca F. Kuang ein bitterböser Spaß. Klug, witzig und spannend!
Juniper “June” Hayward ist zerfressen von Neid wenn es um ihre ehemalige Studienkollegin, die chinesisch-amerikanische Autorin Athena Liu, geht.
Athena lebt den schriftstellerischen Traum, erntet gute Kritiken, kassiert die besten Verträge und handelt große Summen mit Netflix und Co aus, wenn es darum geht ihre Bücher zu verfilmen. Sie hat einfach alles, alle lieben sie und was sie anfasst wird zu Geld.
June kann nichts davon vorweisen, denn ihr Debütroman floppte und ihre Karriere stockt.
Bei einem gemeinsamen Abend in Athenas Wohnung, erstickt diese vor Junes Augen. In einer Kurzschlussreaktion eignet June sich Athenas geheime neue Arbeit, ein Manuskript über die chinesischen Arbeitskräfte im Ersten Weltkrieg, an und beginnt zu Hause daran weiterzuarbeiten. Innerhalb kürzester Zeit kann June, die nun unter “Juniper Song” publiziert, das Buch als ihr eigenes herausbringen, es wird zum Bestseller, sie wird in der Branche gefeiert, verdient nun einen Haufen Kohle und ihr Name ist in aller Munde.
Doch schon nach kurzer Zeit kommen die ersten Gerüchte auf Social Media auf sie hätte “Die letzte Front” gar nicht selbst geschrieben und sie wird von allen Seiten kritisiert als weiße Autorin würde sie sich der kulturellen Aneignung schuldig machen. Thema, ihr Name “Song”….betreibt Juniper Song etwa yellowfacing?
Ein vielschichtiger, temporeicher Roman der sehr viele äußerst aktuelle Themen aufgreift und als Zeugnis unserer Zeit betrachtet werden kann. -Yellowface- wirbelt sehr viele Kontroversen wie Rassismus in der Buchbranche und Cancel Culture auf; gewährt uns gleichermaßen sehr viele Einblicke wie ein Bestseller zustande kommt.
Die Protagonistin hat sich natürlich des Betruges schuldig gemacht, aber an manchen Stellen kann man ihre Gefühle durchaus verstehen. Sie sind allzu menschlich.
Die Macht von Sozialen Medien, Shitstorms, Öffentlichkeitsarbeit im Verlagswesen und wie mit Krisen umgegangen wird — hier muss ich niemandem erklären an wen ich denken musste.
Klasse Genremix aus Satire und Thriller. I like!
Übersetzung: Jasmin Humburg
Erschienen bei: @eichbornverlag (unbezahlt/selbstgekauft)