– Der gefrorene Himmel –

Richard Wagamese

„Sie kommen auf verschiedenen Wegen, diese Zhaunagush“, sagte sie. „Ihre Reden und ihre Geschichten können dich genauso schnell wegschaffen wie ihre Boote.“ Als Kind hatte ich also Angst vor den Weißen. Wie sich zeigte, mit gutem Grund.

Die Handlung des preisgekrönten Romans „Der gefrorene Himmel“ von Richard Wagamese dreht sich um Saul Indian Horse aus dem Stamm der Ojibwe. (Anishinabek)

Er lebt mit seiner Familie im nördlichen Ontario. Als seine alkoholabhängigen Eltern die Familie verließen, brachte seine Großmutter den kleinen Jungen in die Stadt.

Saul wird in St. Jerome’s untergebracht, einem staatlichen Heim, in dem noch viele andere Kinder indigener Abstammung leben.

Um dem rauen Alltag in der Einrichtung, sowie den Grausamkeiten der Nonnen und Pater wenigstens psychisch zu entkommen, verschließt er sich in sein Innerstes und findet nur im Eishockeyspiel ein wenig Freude.

„Wenn dir die Unschuld genommen wird, wenn dein Volk verleumdet wird, wenn die Familie, der du entstammst, beleidigt und bloßgestellt wird, wenn deine Stammesbräuche und -rituale als rückständig, primitiv, barbarisch gebrandmarkt werden, dann betrachtest du dich selbst nicht mehr als menschlich. Das ist die Hölle auf Erden, dieses Gefühl der Unwürdigkeit. Und das haben sie uns angetan.“

Sauls ungewöhnlich ausgeprägtes Talent für diesen Sport bleibt nicht lange verborgen und schon bald kommt er bei der Familie Kelly unter gesetzliche Vormundschaft. Er darf in der örtlichen Eishockeymannschaft „The Moose“ mitspielen, deren Mitglieder ebenfalls den First Nations angehören.

Eishockey öffnet Saul Indian Horse so manche Tür, doch konfrontiert es ihn auch mit dem vollen Rassismus der Weißen. Während Saul für das Spiel lebt, wird er immer wieder auf seine Herkunft reduziert, beleidigt, beschimpft und verprügelt.

Als er den Sprung in die NHL schafft, wird es umso härter. Die Presse vergleicht seine Spielweise immer wieder mit Kriegspfad, Skalps jagen oder den leuchtenden Augen eines Kriegers in voller Kriegsbemalung.

„Ich wollte immer höher steigen, einer der glänzenden Sterne werden. Aber sie ließen mich nicht bloß Hockeyspieler sein. Ich musste immer Indianer bleiben.“

Wenn man sich ein wenig mehr mit Geschichte beschäftigt, kommt man nicht umhin sich zu fragen, ob es irgendetwas gibt, wo die Weißen in all ihrer Zivilisiertheit nicht eingedrungen sind und es sich widerrechtlich angeeignet haben.

Richard Wagamese hat einen einfühlsamen und unvergesslichen Roman über das Leben eines kleinen Jungen geschrieben, der seinen Platz in einer Welt sucht, in der es wegen seines kulturellen Erbes keinen Platz zu geben scheint.

Wenn man sich mit dem Autor ein wenig näher befasst, erkennt man hier und da ein paar autobiografische Züge, die er in die Geschichte mit einfließen ließ. Hierzu bietet das Nachwort von Katja Sarkowsky mehr Informationen und rundet das Leseerlebnis nochmals ab.

Wunderbar übersetzt von Ingo Herzke.

Pittoreske Sprache, zugänglich und absolut lesenswert.

Veröffentlicht von booksandtwins

Books/ Twinmom/ Reader/ Writer There's just parts of me that you can't have. No-one can.

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